Die Radfahrer in der Stadt Kronach wollen helfen, ein gutes Miteinander von Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern voranzubringen. Grünen-Stadtrat Peter Witton begrüßte viele Interessierte in der Café-Bar "Karibik" zu einem Austausch.

Dass die Stadt Kronach inzwischen Mitglied der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen" AGFK geworden ist, freut Stadtrat Peter Witton. Diese AGFK wird stark vom bayerischen Innenministerium unterstützt. Die 400 Euro Jahresbeitrag werden von Rad-Dressel gesponsert. Mit stellvertretendem Werkleiter Johannes Meitner habe die Stadt Kronach einen engagierten Fahrradbeauftragten.

Eine Bestandsaufnahme der Firma Inovaplan im Frühjahr 2018 zeigte, dass etwa vier Prozent mit dem Rad zur Arbeit fahren. Einer der Programmpunkte der AGFK ist, dass in fünf bis sechs Jahren das Rad zu elf Prozent auf dem Weg zur Arbeit benutzt wird.

Bei einer Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sagten viele: "Radfahren in Kronach macht Spaß" und es gebe wenig Konflikte mit Fußgängern und wenig Fahrraddiebstahl. Moniert wird aber eine schlechte Verkehrsführung bei Baustellen und dass nur wenige Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet sind.

Insgesamt gibt es in Kronach - gerade auch bei Schulen und Firmen - 890 Fahrradstellplätze. Jedoch fehlen solche oft noch bei Geschäften oder sie sind wenig hilfreich. Vorbildlich sind sie beim Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Er hätte sich gewünscht, dass Radstellplätze in Bebauungsplänen aufgenommen werden, erläuterte Peter Witton. Dies sei im Stadtrat wegen nicht vertretbarer Kosten abgelehnt worden.

Sicheres Abstellen am Bahnhof

"Wie sieht es mit Radstellplätzen beim Bahnhof aus?" wollte Grünen-Kreisrätin Edith Memmel wissen. Am Kronacher Bahnhof könnte ein Pilotprojekt für die Optimierung der sicheren Unterbringung von Fahrrädern eine deutliche Verbesserung bringen. Peter Witton erhofft sich eine an Bahnkarten gekoppelte Schließanlage, da immer wieder durch Vandalismus etliche Fahrräder zerstört werden. Eventuell könnte auch eine Videoüberwachung hilfreich sein.

Wichtig für den radfahrbegeisterten Stadtrat Witton ist ein durchgehender Radweg vom Schulzentrum zum Bahnhof. Dieser würde über die Problemstelle vom Schulzentrum zur Rodacher Straße und dann weiter am Friedhof entlang über die Spitalbrücke führen. Wenigstens müssten die Bürgersteige breit genug sein, dass eine gemeinsame Benutzung von Fahrrad und Fußgängern möglich wird. Auch ein farblich markierter Streifen auf der Straße könnte die Situation verbessern. Leider endet der Radweg am Parkhaus entlang in Richtung Spitalbrücke abrupt.

Sollten die Parkplätze entlang des Friedhofs wegfallen, wäre es sinnvoll besonders im Hinblick auf die Friedhofsbesucher, im Parkhaus länger als eine halbe Stunde kostenlos parken zu dürfen. Es sei zu hoffen, dass beim Umbau der Volkshochschule und der Straßenplanung keine Tatsachen geschaffen wurden, die eine Trennung von Auto- und Fahrradverkehr nicht berücksichtigen. Bei einem Neubau der Spitalbrücke müsse diese unbedingt einen Rad- und Fußweg enthalten.

Einen weiteren Fahrradweg sollte der Äußere Ring bekommen mit Verbindung zum Crana Mare. Dringender Handlungsbedarf bestehe auch in der Kulmbacher Straße.

Vom Krankenhaus ist an der Friesener Straße in Richtung Stadt Radfahren auf dem Bürgersteig erlaubt. Besondere Vorsicht sei jedoch an den vielen Grundstücksausfahrten zu beachten, Fußgänger haben außerdem Vorrang. Dies lässt keinen richtigen "Radweg" zu, der aber in beiden Richtungen sehr wünschenswert wäre.

Eine positive Nachricht ist, dass die aus Sicherheitsgründen geschlossene Unterführung B 303/B 173 an der Südbrücke an gleicher Stelle dieses Jahr wieder eröffnet wird, erläuterte Peter Witton, verkehrstechnisch deutlich besser mit fünf Metern lichter Breite.

Positiv ist auch die Fertigstellung des Radwegs von Ruppen auf dem Bahndamm bis zur Loewe-Brücke, der dann durch die noch zu bauende Fachhochschule für Finanzen zum LGS Gelände führen wird.

Ein Schnellradweg für Pendler

Im Bereich der Landesgartenschau wünschte sich Doris Glück deutliche Verbesserungen. Wenn viele Leute unterwegs sind, sei es nicht einfach für Radfahrer und Fußgänger. Ein Schnellradweg am Rande der Siedlung könnte für Radler, die schnell zur Arbeit kommen wollen, Bedeutung haben. Es gebe schließlich nicht nur Freizeitradler. Es müsse überhaupt bei künftigen Planungen berücksichtigt werden, dass es einen Berufsverkehr mit Radfahrern gebe. Gerade auf dem LGS-Gelände sollten Radler auch Rücksicht auf andere nehmen, appellierte Michael Kestel, der viele Jahre lang ADFC-Kreisvorsitzender war.

"Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen", sieht Stadtrat Peter Witton darin eine wesentliche Grundlage. Nur über ein gemeinsames Suchen mit Beteiligung aller Verkehrsteilnehmer könne gegenseitiges Verständnis erreicht werden.

Franz Köstner, der früher zwei Legislaturperioden für die Grünen im Stadtrat war, zeigte sich skeptisch, weil sich seiner Meinung nach konkret wenig getan habe. Seine im Jahr 1994 eingebrachte Planung sei leider immer noch unverändert aktuell. "Fahrradfahren macht Spaß", unterstrich Sofia Heinlein. Es gelte, noch mehr Menschen dafür zu begeistern. Als Radfahrerin fühlt sie sich in der Kronacher Innenstadt sehr unsicher. Gerade im Bereich des Marienplatzes, bei dem von der für Fahrräder erlaubten Fußgängerzone eine klare weitere Kennzeichnung in Richtung Stadtgraben fehlt.

"Der Landkreis Kronach hat gute Radwege, in der Kreisstadt sind sie praktisch nicht vorhanden", sah Michael Kestel enormen Handlungsbedarf. Trotzdem wäre es schön, meinte Peter Witton, wenn auch der Landkreis der AGFK beitreten würde, denn dann könnte man gemeinsam an der Verbesserung des Verkehrswegenetzes arbeiten, denn auch im Landkreis gebe es noch Potenzial.

Beim Portal www.rad-orte.de können Problemstellen für Radfahrer in Kronach gemeldet werden, erinnerte Hinrich Ruyter. Bislang wurden dort 67 Stellen beschrieben. 18 wurden von der Stadt verbessert, 25 abgelehnt. 21 sind noch in Bearbeitung. "Es tut sich etwas in der Stadt", freute sich Ruyter. "Es ist eine positive Aufbruchstimmung." rg