Jochen Berger

Dieser Musiker braucht keine Werbung mehr, keinen schicken Slogan, kein effekthascherisches Etikett. Das dritte Coburg-Konzert des Jazz-Pianisten Kirk Lightsey steht unter einem ganz lapidaren Motto: Kirk Lightsey pur. Stilistische Zuordnungen und Einordnungen spielen bei diesem Auftritt von Kirk Lightsey und seinen illustren Mitstreitern auf der kleinen Bühne von "Leise am Markt" ganz einfach keine Rolle mehr.
Kirk Lightsey, der in Paris lebende Altmeister des Jazzpianos, gibt scheinbar ganz beiläufig und doch in jeder Note ganz unwiderstehlich den Ton an - und Paul Zauner an der Posaune, Jean Toussaint am Tenorsaxofon, Stefen Watts am Bass und Christian Salfellner am Schlagzeug folgen ihm mit größter Selbstverständlichkeit und sichtlichem Vergnügen - völlig frei und zugleich höchst konzentriert.


Freiheit des Improvisierens

Ihr gemeinsames Konzertieren - es wird zum Pulsieren purer musikalischer Energie. Kirk Lightsey am erstaunlich klangvollen E-Piano ist der künstlerische Kraftquell dieses Quintetts, das an diesem Abend mit größter Selbstverständlichkeit hörbar werden lässt, wie sich völlige Freiheit des Improvisierens und das Einbinden in einen übergreifenden Zusammenhang sich ganz selbstverständlich ergänzen können. Manchmal lassen Lightsey und seine bestens harmonierenden Mitstreiter die Musik ganz leise werden, gleichsam zerfasern.


Permanenter Wechsel

Die Klänge lösen sich immer weiter auf, werden immer leiser, zerbrechlicher - und steigern sich dann wenige Takte später doch wieder ganz natürlich zu größter Intensität. Kirk Lightsey, bei der Coburger Jazznacht 2014 erstmals in der Vestestadt zu Gast war und im Februar 80 Jahre alt wurde, gibt mit knappen Akzenten heiter, aber zugleich ganz unmissverständlich den Ton an und lässt dennoch jedem Mitglied des außergewöhnlichen Quintetts immer wieder Raum, solistisch hervorzutreten.
Dieser permanente Wechsel der führenden Stimme macht den besonderen Reiz dieses pulsierenden Abends aus. Jean Toussaint lässt sein Tenor-Saxofon oftmals ungemein kraftvoll singen und beherrscht doch auch die zarten, leisen Töne.
Paul Zauner setzt auf der Posaune auf den Charme gleichsam schwerelos hingetupfter Töne, streut aber auch kraftvoll-durchdringende Klänge bei Bedarf an.
Steven Watts lässt seinen Bass markanten Linien spielen, während Christian Salfellner am Schlagzeug die Rhythmen gerne mal vorsätzlich ins Stolpern geraten lässt. Sie alle aber lassen sich ein auf das Spiel, sich von Kirk Lightsey immer wieder überraschen zu lassen mit ganz unvermuteten Akzenten.
Das restlos begeisterte Publikum erklatscht sich schließlich noch eine Zugabe.