Eine 32-jährige Forchheimerin musste sich Dienstag wegen des Vorwurfs der versuchten gefährlichen Körperverletzung vor Gericht verantworten.
Staatsanwalt Stefan Meyer trug den Sachverhalt vor: Die junge Frau soll im Oktober 2016 ein Glas nach ihrem damaligen Freund geworfen habe, das diesen dann verfehlt und stattdessen ihren fünfjährigen Sohn getroffen hatte.
Auf die Frage von Strafrichterin Silke Schneider, ob sie Stellung nehmen wolle, erzählte die Beklagte, dass sie einen Streit mit dem damaligen Freund gehabt habe. Sie habe mit ihrem kleinen Sohn zu backen begonnen, als der Streit eskalierte und der Lebensgefährte den Wohnungsschlüssel einforderte. Den wollte sie jedoch nicht hergeben. Der Ex-Freund habe ihr dann den Arm verdreht, sie zu Boden gedrückt, und dabei habe sie das Glas mit Zuckerguss von der Anrichte gestoßen und ihr Kind verletzt. Richterin Silke Schneider hielt dagegen, dass die Bilder vom Tatort einen anderen Schluss zulassen würden.
Da der Inhalt des Glases über den ganzen Boden und an der Wand verteilt war, sehe es mehr danach aus, dass das Glas geworfen sein musste.


Weinender Junge

Rechtsanwalt Alexander Bogsch versuchte die Aussage seiner Mandantin zu stützen. Doch die Richterin verwies auf den Bericht der Polizei. Die Beschuldigte soll dort gesagt haben, dass sie das Glas geworfen habe. Das wiederum bestätigte der als Zeuge geladene Polizeibeamte, der in die Wohnung gerufen worden war.
Er erzählte, dass ein weinender kleiner Junge mit einer Beule die Tür geöffnet habe. Die junge Frau habe weinend auf gepackten Koffern gesessen - und sie habe sowohl von einem Streit erzählt als auch davon, ein Glas in Richtung ihres Lebensgefährten geworfen zu haben.


Derzeit arbeitslos

"Wenn ich ein Glas abräume, kriege ich nicht so eine Wucht dahinter", sagte der Polizeibeamte und Richterin Schneiderin antwortete: "Das sage ich schon seit einer Viertelstunde." Das wollte Rechtsanwalt Bogsch jedoch nicht so hinnehmen.
Nach längerer Diskussion, und um der aktuell arbeitslosen Beschuldigten eine mögliche Ausbildung nicht zu verbauen, entschlossen sich die Strafrichterin und der Staatsanwalt, das Verfahren einzustellen. Da die Angeklagte derzeit kein Geld hat und sogar bei Freunden wohnt, während ihr Kind vom leiblichen Vater versorgt wird, muss sie bis September 60 Stunden gemeinnützigen Dienst abarbeiten.