Kultur ist dem lateinischen Wortursprung nach alles, was gepflegt wird. Allein schon dadurch ist angelegt, dass eine Diskussion zur Kulturentwicklung in Forchheim viele Facetten und Aspekte, ganz unterschiedliche Bereiche und ebenso differierende Zielgruppen umfassen muss.

Zum Ausdruck kam das beim ersten Workshop unter der fachlichen Begleitung von Patrick S. Föhr, Ulrich Fuchs und Alexandra Künzel zum einen durch die hohe Teilnehmerzahl, zum anderen durch die beackerte Themenpalette. Dennoch schälte sich beim Schlusspodium im großen Saal des Pfalzmuseums eine Kernforderung heraus: Es geht nicht ohne einen hauptamtlichen Verantwortlichen. Ob diese Stelle Kulturamt heißt und direkt in der städtischen Verwaltung angesiedelt ist oder in Form eines separaten Büros errichtet wird, das wiederum mit der Tourismusförderung verzahnt ist, ist dabei erst eine nachrangige Frage.

Das Aufgabenspektrum dagegen kristallisierte sich klar heraus: ein öffentlich zugänglicher Terminkalender, was alles in Forchheim geschieht. Stichwort: Zeitkoordination der vorhandenen Angebote inklusive der existierenden Bildungseinrichtungen. Und hier dürfe die Kulturförderung des Kreises nicht außen vor bleiben. Denn nicht Mangel an Angeboten sei zum Teil das Problem, sondern zeitliche Nähe oder gar Überschneidungen. Als Form böte sich eine Online-Plattform an mit einem Kontaktverzeichnis, um die Kulturschaffenden auch untereinander besser zu vernetzen.

Das Management der vorhandenen Räume beginnt - so das Ergebnis des Workshops - mit einer intensiven Bestandsaufnahme, wo überall im Stadtgebiet funktionsfähige Räume mit der nötigen Grundausstattung für öffentliche Nutzung vorhanden sind. Das Gebot der Stunde lautet Leerstandsnutzung, aber mittelfristig müsse das Rathaus in die Überlegungen einbezogen sein.

Die dritte Aufgabensparte ist das Marketing. Gerade hier benötigen die oft ehrenamtlich Engagierten einen professionellen Betreuer. Er kann die nötigen Schritte tun, damit das Forchheimer Kulturangebot in der Metropolregion Nürnberg bekannt wird, und auch Wege finden, den südlichen Landkreis mal kulturell auch nach Forchheim blicken zu lassen.

Als schwierigste Aufgabe sah Moderator Fuchs das Herausarbeiten eines eigenen Kulturprofils an. "Bierstadt ist zu wenig", darüber waren sich alle einig. Bei diesem Punkt ist man eindeutig noch im Stadium von mehr Fragen als Antworten. Aber es gibt eine Fortsetzung des Workshops im Februar. Für ihn gab Fuchs schon einen Gedankenanstoß: "Bieten heutige Kulturangebote genügend Wertschätzung des Teilnehmers, der etwas erleben, der mitmachen will?"

Die Stadt - der Rat wie die Verwaltung - bekamen von Moderator Föhl eine Hausaufgabe Richtung Koordinierungseinheit mit. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) sagte zu, man wolle sich in den Ratsgremien damit beschäftigen, weshalb es ihn ausdrücklich gefreut habe, dass etliche Stadträte am Workshop teilnahmen. "Hoffen wir, dass die Ankündigung nicht wieder einmal der Ersatz für die Tat ist", war das Fazit des Nachmittags in der Pfalz für den bildenden Künstler und Kunstlehrer Harald Winter.