Die diesjährige "Woche für das Leben", die die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam veranstalten, thematisiert "Schwangerschaft und Pränataldiagnostik". In Bamberg wird sie heute von Erzbischof Ludwig Schick und Regionalbischöfin Dorothea Greiner um 17.30 Uhr in der Stadtbücherei, Obere Königstraße 4, eröffnet. Weitere Informationen zur Aktionswoche sind unter www.woche-fuer-das-leben.de verfügbar.
Wir sprachen mit Professor Burkhard Schauf, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Klinikum Bamberg mit dem Schwerpunkt Pränataldiagnostik und Fetalmedizin. Die Frauenklinik ist mit etwa 2250 Geburten im Jahr eines der großen Perinatalzentren in Bayern.

Welches Ziel verfolgt die Pränataldiagnostik?
Prof. Burkhard Schauf: Unser Ziel als Pränataldiagnostiker ist es zu überprüfen, ob die Schwangerschaft sich normal entwickelt und auch um zu schauen, ob Kinder, die sich im Mutterleib nicht richtig entwickeln, vielleicht eher entbunden
werden müssen oder sonstige besondere Hilfe brauchen. Nur ein verschwindend kleiner Teil, etwa zwei Prozent meiner Patienten, sind diejenigen, bei denen
sich dann tatsächlich irgendwann die Frage stellt, ob die Schwangerschaft fortgeführt werden soll oder nicht.

Worin sehen Sie die Chancen der Pränataldiagnostik?
Wenn wir uns das historisch anschauen über die letzten zehn, zwanzig Jahre, dann können wir feststellen, dass wir vielen Kindern heute helfen können, die noch vor Jahren nicht entdeckt wurden und die deshalb entweder intrauterin, also im Mutterleib, verstarben oder mit schweren Schäden geboren wurden. Auf der anderen Seite erwarten die Patienten von uns oft übermäßig viel, nämlich die Aussage, dass mit dem Kind "alles" gut ist, dieses können wir schlichtweg niemals mit einer Pränataldiagnostik sagen.

Wo liegen diagnostische und therapeutische Grenzen?
Das hatte ich eben in der Frage schon ein bisschen thematisiert. Wir sehen sehr viel, wir sehen auch Fehlbildungen, wir sehen auch, dass sich Kinder nicht gut entwickeln und können daraus oftmals Therapien ableiten. Aber zum Beispiel ob ein Kind nach der Geburt gut Englisch kann, werden wir niemals vorgeburtlich feststellen können. Genauso gibt es auch heute noch Erkrankungen, die wir nicht hinreichend behandeln können, wo wir die Kinder nicht heilen können, die Kinder mit Schäden geboren werden, das sind heutzutage immer noch die Grenzen.

Rückt Pränataldiagnostik nicht nahe an den Versuch heran, den Menschen zu optimieren und Kinder nach bestimmten Eigenschaften auswählbar zu machen?
Wir leben zum Glück in Deutschland, und hier ist es verboten, nach blauen Augen oder auch Erkrankungen, die sich erst nach dem 18. Lebensjahr manifestieren, z. B. Chorea Huntington, zu suchen. Und ich bin froh, dass es in Deutschland so ist. Von daher: Solange wir hier in einem Rechtssystem dieser Art leben, ist die Möglichkeit, Menschen zu optimieren und Kinder nach bestimmten Eigenschaften auszuwählen, in Deutschland schlicht verboten, und das ist auch gut so.

Das Gespräch führte
Marion Krüger-Hundrup.