Einer Forsa-Umfrage zufolge, die im Juni im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) durchgeführt worden ist, sind 59 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland Nichtschwimmer.
Bei den Erwachsenen sind es knapp 50 Prozent. Aus einer Statistik über die Zahl der Ertrunkenen pro Bundesland geht hervor, dass Bayern hier einen traurigen Rekord hält: Im Jahre 2016 waren 91 Tote durch Ertrinken zu beklagen.


Finanzielle Gründe

Zwar ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Schüler in der Grundschule nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Schwimmen lernen sollen. Festzustellen ist aber, dass gerade der Schwimmunterricht in vielen Grundschulen stiefmütterlich behandelt wird.
Ihn ordentlich durchzuführen, ist recht aufwendig. Die innerschulische Organisation ist nicht einfach, denn man braucht abgesehen von einem Schwimmbad, begleitende Aufsichtspersonen die bereit sind, die Verantwortung für die Kinder zu übernehmen.
Seit der Jahrtausendwende haben viele Städte ihre Bäder aus Kostengründen geschlossen, so dass die oft sehr langen Anfahrtswege den Transport der Kinder per Bus erforderlich machen; dadurch entstehen nochmals zusätzliche Kosten. Jedoch: Schwimmen ist ein Kulturgut - dürfen wir es unseren Kindern und Jugendlichen aus finanziellen Gründen vorenthalten? Antje Brück, die Rektorin der Tagesschule Poxdorf, hat sich entschieden, das anders zu handhaben. Alle zwei Wochen gehen sämtliche Schüler ihrer Schule, 56 Kinder aus den Klassen 1 bis 4, gemeinsam nach Forchheim ins Königsbad.


3300 Euro pro Jahr

Jeweils Dienstagvormittags werden sie - begleitet von drei Aufsichtspersonen - in zwei Bussen dorthin befördert. Die nicht unerheblichen Kosten von rund 3300 Euro pro Jahr für die Busse und die beiden Bahnen im Königsbad übernimmt die Gemeinde. Im Bad werden die Kinder in drei leistungshomogene Gruppen eingeteilt: Die Erstklässler sollen zunächst nur an das Wasser gewöhnt werden; sie sollen die natürliche Scheu vor dem Wasser überwinden und sich schließlich trauen, erst vom Rand und dann vom Startblock aus ins Becken zu springen.
Jede Gruppe macht andere Übungen, Gruppe eins und zwei im Nichtschwimmerbecken und Gruppe drei, die Fortgeschrittenen, im Schwimmerbecken.
Alle Kinder lieben den Schwimmtag und auch von den Eltern kommen nur positive Rückmeldungen. Denn eigentlich geht es bei dieser Art Unterricht für viele Schüler um mehr als um die Gewöhnung an das Element Wasser und das Erlernen des Schwimmens: Es geht um Erfolgserlebnisse, um die Förderung des Selbstbewusstseins und um die Chance, sich durch andersartige Leistungen hervorzutun, als das im Klassenzimmer der Fall ist.