Premiere für die IHK-"Ladies Night" zum Thema "Frauen in Führung": Oliver Brehm, Vorsitzender des IHK-Gremiums Herzogenaurach, begrüßte mehr als 50 Erfolgsfrauen aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt in der Fortuna Kulturfabrik. Es sei ihm eine Ehre, das Event als Mann eröffnen zu dürfen.

Ziel der Veranstaltung war die Vernetzung von Powerfrauen, heißt es in einer Pressemitteilung der IHK. Diskutiert wurden Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Karriere, Chancengleichheit und Erfolgsfaktoren in einer bislang geglaubten Männerdomäne. Selbst in der Technik seien die Männer von den Powerfrauen überholt worden. Männer sollten sich heutzutage "warm anziehen", erklärte Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken,, insbesondere im Hinblick auf Digitalisierung und vernetztes Denken, "denn hier sind uns Männern die Frauen überlegen".

Die weiblichen Erfolgsgeschichten der Diskussionsteilnehmerinnen erzählten über unterschiedliches Führungsverhalten, Ausbildung von Nachwuchs und das schlummernde weibliche Potenzial, welches nur darauf warte, geweckt zu werden.

Erfolg entstehe unter anderem auch durch Mut zum Selbstmarketing, welches vielen Frauen noch fehle, erklärte Kristine Lütke, Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Deutschland und geschäftsführende Gesellschafterin an der Spitze eines Familienunternehmens. Aber auch örtliche Flexibilität sei nötig, einen Partner an der Seite, der die Karriere der Frau aktiv unterstützt und hohe Leistungsbereitschaft sowie Einsatzfreude. Das Aufbrechen tradierter Strukturen sei notwendig.

Wie junge Unternehmerinnen das Thema Karriere und Familie unter einen Hut bringen, zeigten Anne Wedel-Klein, Mitglied der Geschäftsleitung der Martin-Bauer-Group, und Hanna Winkler von Mohrenfels, Geschäftsführerin der Schloss Hemhofen GmbH, auf. "Es ist wichtig, auch einfach mal zu machen und was zu riskieren", erklärte Hanna Winkler von Mohrenfels, die diesjährige IHK-Gründerpreisträgerin. Nebenher noch Familie und Kinder würde gut funktionieren, wenn man die notwendigen Zeiten für Mutterschutz gut einplanen und die Arbeitszeit flexibel gestalten würde - was sich im eigenen Familienunternehmen naturgemäß leichter gestalten lasse, argumentierte Anne Wedel-Klein.

Neue Strukturen schaffen

Die Spitzenmanagerin Corinna Schittenhelm, Personalvorstand und Arbeitsdirektorin der Schaeffler AG, hatte sich schon sehr früh auf die Karriere ausgerichtet, war weltweit für Großkonzerne in unterschiedlichen Positionen unterwegs. Da ihr Mann ebenfalls berufstätig ist, entschieden sie sich dafür, eine eigene Kinderbetreuerin zu beschäftigen, um Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. Die Investition sei sicher nicht für jede Frau eine Lösung, in ihrem Fall jedoch sinnvoll. "Ich war nie ein Fan von einer Frauenquote, aber scheinbar ist sie notwendig, um eine Veränderung in den Strukturen herbeizuführen", so Schittenhelm. Sie ist eine von acht Prozent weiblichen Vorstandsmitgliedern in deutschen Großkonzernen.

Die Diskutantinnen waren sich einig, dass man auch im eigenen Unternehmen Strukturen schaffen müsse, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Neben dem Aufbau interner Netzwerke für weibliche Führungskräfte brauche es Coaching und Mentoring sowie Schulungen und quantitative Ziele, berichtete Wedel-Klein.

Renate Schmidt, Bundesministerin a. D., gab den Teilnehmerinnen mit auf den Weg: "Macht nicht zu lange Pause, sondern versucht nach der Geburt der Kinder gleich wieder in den Beruf zurückzukehren, um selbstständig und selbstbestimmt zu sein." red