"Ich hoffe, es hat den Gästen gefallen", meinte Rudi Dierauf etwas zögerlich nach dem Böhmischen Abend im Greßano-Saal. Die mittlerweile siebte Auflage der beliebten Veranstaltung war wieder einmal äußerst gut besucht. Doch waren die Zuhörer nicht so klatsch- und schunkelfreudig wie erwartet.

Die meisten genossen die Lieder im Stillen, wippten mal mit den Füßen zu einem der wunderschönen Märsche oder hielten sich an den Händen zum langsamen Schunkeln. Bekannte, bedeutende und anspruchsvolle Kompositionen hatte der Vorsitzende der Musikvereinigung zusammengestellt, vier davon waren sogar als Premiere zu hören. Wochenlang hatte das extra für diesen Abend zusammengestellte 21-köpfige Ensemble der Ebensfelder  Musiker an den neuen Stücken geprobt. Jetzt erklangen Walzer, Märsche und Volkslieder bei sehr guter Akkustik im Saal. Eigens für den Abend besorgt wurde auch Original Pilsener Urquell, zum Essen gab es unter anderem feines Znaimer Gulasch, eine Spezialität aus Südmähren.

"Mit ,Rauschende Birken‘ begann 1956 die große Karriere des Ernst Mosch", begann Rudi Dierauf seine kurzweilige und sehr interessante Moderation. Zusammen mit vier weiteren Titeln wurde nämlich genau dieser Walzer im Mittagskonzert des Stuttgarter Rundfunks am 21. April 1956 ausgestrahlt und setzte somit den Grundstein für eine beispiellose Erfolgskarriere. "Wer ist das? Wie heißt diese Gruppe? Kann man diese Musik auf Platten kaufen?", fragten innerhalb einer Woche mehr als 32 000 Rundfunkhörer beim Sender nach. Die meisten seiner Musikanten kamen zu dieser Zeit aus dem Egerland, und so beschloss Ernst Mosch, "wir nennen uns einfach Egerländer Musikanten". Das Orchester erhielt eine Goldene Schallplatte, und Ernst Mosch war somit der erste Blasorchester-Chef, dem diese Ehre zuteil wurde. Es folgten Auftritte in ganz Deutschland und in Europa. Seine Heimat, das Egerland, hat er jedoch nie dabei vergessen - auch als er in Bayern eine neue Heimat fand.

Das alles interessierte die rund 150 Zuhörer sehr. Aufmerksam lauschten sie den Ausführungen von Rudi Dierauf, der extra für diesen Abend eine fiktive Reise durch das Nachbarland Tschechien ausgearbeitet hatte. Mithilfe des Beamers ging es entlang der Eger, durch Nadelhölzer und an Gehöften vorbei, durch Anhöhen und auch mit kleinen Abstechern nach Südtirol und Österreich. Die 21 Musikanten und ihr Dirigent Reinhold Stärk setzten die Reise musikalisch schwungvoll in Szene. Als Sängerin trat Kerstin Ritter aus Gundelsheim erstmals auf. Der lang anhaltende Applaus der Zuhörer am späten Abend zeigte deutlich: Ja, alles richtig gemacht!