Dass die Mainbergstraße das Zeug zu einer Haupterschließungsstraße hat, ist unschwer an ihrer Breite und den beidseitigen Gehsteigen zu erkennen. Ihre volle Verkehrsbedeutung wird sie zweifellos mit der Besiedelung des Neubaugebietes "Obere Lehenteile" erlangen, für das gegenwärtig das Aufstellungs- und Anhörungsverfahren läuft. 30 Anlieger der Mainbergstraße erhoben mit Hilfe einer Unterschriftenliste ihre Bedenken gegen das Vorhaben. Weitere Pettstadter meldeten sich aus dem Lehenteil und der Kornstraße mit Vorbehalten zu Wort. Ihre Sorgen beziehen sich zum einen auf die "fragwürdige" Rückhaltung des im Neubaugebiet anfallenden Oberflächenwassers und zum anderen auf die Verkehrsbelastung der angrenzenden Baugebiete.

Problem Niederschlagswasser: Weil bei Bodenproben festgestellt worden war, dass Tonschichten eine Versickerung auf den Grundstücken nicht zulassen , und weil der in der Mainbergstraße verlegte Kanal einen starken Zufluss nicht aufnehmen kann, soll ein 790 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken im Boden versenkt werden. Mit Hilfe eines Hebewerks wird das darin gesammelte Regen- oder Schmelzwasser in den zur Ebrach führenden Regenwasserkanal der Mainbergstraße gefördert, sobald er aufnahmefähig ist. Zusätzlich soll eine Art Flutmulde mit einem Stauraum von 120 Kubikmetern ausgeschoben werden.

Über fünf Hektar groß

Nachdem bei zurückliegenden Starkregenereignissen bereits einige Keller im angrenzenden Wohngebiet vollliefen, haben die Hausbesitzer Angst vor Wasserschäden. Immerhin muss in dem 5,14 Hektar großen Gebiet eine "abflusswirksame Fläche" aus Hausdächern, Straßen- und Gehwegen sowie Gemeinbedarf in Höhe von 2,677 Hektar entwässert werden. Bislang befinden sich dort Äcker, die das meiste Wasser schlucken. Von Bürgern wird daher die Verringerung der Bodenversiegelung im Neubaugebiet gefordert sowie die Vergrößerung des Rückhaltebeckens auf 974 Kubikmeter. Die Gemeinde bezieht sich allerdings auf hydraulische Berechnungen und Gutachten. Sie hält demnach an ihrem Konzept fest. Manfred Dippacher: "Da können wir nur beten, dass nichts passiert. Und wenn doch, schicken wir die Leute zum Bürgermeister!" Der jedoch vertraut auf die Fachplanung und macht klar: "Wir können keinen Regenschirm über Pettstadt spannen." Für Regenkatastrophen könne sich kein Landstrich wappnen.

Entgegenkommen signalisiert der Gemeinderat den Bewohnern der Mainbergstraße beim Verkehrsproblem: Da wird man der Anregung folgen, durch bepflanzte Grünbuchten den ohnehin auf Tempo 30 beschränkten Verkehrsfluss stärker zu bremsen. Den anderen Vorschlag aus Bürgerkreisen, über die Korn- und die Waldstraße zusätzliche Anbindungen des Neubaugebiets an die Lange Straße zu schaffen, will der Gemeinderat jedoch nicht aufgreifen. Diese schmalen Straßen verfügten über keine Gehsteige und vertrügen keine stärkere Belastung.

Auf den 50 Parzellen des Baugebietes können 43 Häuser mit zwei Wohneinheiten errichtet werden, dazu kommen ein Sechsfamilienhaus sowie später ein Kindergarten und eventuell ein Seniorenheim. Maximal muss mit 270 Bewohnern gerechnet werden, woraus Sebastian Dennerlein (CSU) eine tägliche Mehrbelastung von gut 200 Pendlerfahrzeugen erwartet. Zur Entlastung schlug er den Ausbau des Röbersdorfer Wegs zum Anschluss an die Erlacher Straße vor, auch wenn hierfür die Gemeinde in Vorleistung treten müsste, bis die Umlegung der Herstellungskosten möglich sein werde. Geschäftsleiter Roland Hack winkte ab: "Da spielte die Kommunalaufsicht bestimmt nicht mit."

90 Grundstücke nicht bebaut

Günter Stark von der SPD erinnerte daran, dass in Pettstadt über 90 erschlossene Grundstücke unbebaut seien. An ein weiteres großes Neubaugebiet am Südrand sei vor dem Hintergrund des Gebots zum sparsamen Umgang mit dem Boden lange nicht zu denken. Hinzu komme, dass die Kapazität der Pettstadter Kläranlage bis auf etwa 200 Einwohnergleichwerte erschöpft ist.

Dennerlein war schließlich der einzige Gemeinderat, der dem Bebauungsplan nicht zustimmte. Der Planentwurf wird neuerlich zur öffentlichen Einsicht- und -stellungnahme im Rathaus aufgelegt.