Michael WEhner

Bamberg — Das Bamberger Theater hat in den vergangenen Jahren etliche Preise eingeheimst und manche Jury beeindruckt. Das Urteil beim Bamberger Publikum fällt differenzierter aus. So gibt es auch in der dritten Spielzeit nach dem Abschied von Rainer Lewandowski euphorische Anhänger und erbitterte Kritiker von Intendantin Sibylle Broll-Pape (61).
Diese Grundhaltung spiegelt sich auch im Stadtrat wider, der sich vor einer Woche im nicht öffentlichen Teil der Kultursenatssitzung mit der Zukunft des Bamberger Theaters beschäftigte - nicht ohne Debatte, in der kritische Fragen laut wurden.
Auch in diesem Gremium ging es wie bereits im Kuratorium des Theaters um die Vertragsverlängerung für die seit 2015 amtierende Chefin. Man muss wissen: Die künstlerische Leiterin des traditionsreichen Schauspielhauses möchte ihre Arbeit über das Jahr 2020 hinaus bis August 2025 fortsetzen, was zwei weitere Abstimmungen in den nächsten Wochen voraussetzt - im Personalsenat und im Stadtrat.
"Wir machen ein sehr anspruchsvolles Programm, das sein Publikum findet. Deshalb macht mir die Arbeit hier in Bamberg auch sehr viel Spaß und ich würde sie gerne weitermachen", sagt Broll-Pape. Im Moment sieht es so aus, als ob ihr die Mehrheit in Bamberg diesen Wunsch nicht abschlagen würde. Mit klarem Votum hat nach dem Kuratorium auch der Kultursenat die Fortführung des Vertragsverhältnisses bis August 2025 empfohlen.


Keine sichere Zustimmung

Unwidersprochen ging diese Grundsatzentscheidung aber nicht durch. Zwar lobten CSU und SPD im Gespräch mit unserer Zeitung die künstlerische Arbeit der Intendantin, doch der Sprecher der SPD im Kultursenat, Felix Holland, ließ es sich nicht nehmen, wesentliche Vertragsbestandteile in Frage zu stellen. Worum es dabei ging, mochte Holland nicht sagen. "Automatisch wird unsere Zustimmung nicht erfolgen", ließ er aber durchblicken.
Die Fraktionschefin der Grünen, Ursula Sowa, war da schon deutlicher: Sie sprach von wiederholten kritischen Stimmen aus dem Personal des Theaters, die das Bild der erfolgreichen Theatermacherin trübten.
Die Grünen haben sich deshalb für Zielvereinbarungen ausgesprochen, die an die Gage geknüpft werden sollen - denkbar wären etwa die Einhaltung des Budgets, Besucherzahlen, aber auch die Mitarbeiterzufriedenheit. Solche Bedingungen müsse auch jeder Geschäftsführer einer städtischen Tochtergesellschaft hinnehmen. - Die einzige Gruppe, die das "Weiter so" am E.T.A.-Hoffmann-Theater generell ablehnt, ist die Fraktion der Bamberger Allianz. Sie nennt grundsätzliche Zweifel am Kurs als Grund und bricht eine Lanze für das nach wie vor wichtige ältere Stammpublikum, dessen Unzufriedenheit sich in den sinkenden Abozahlen widerspiegele: "Das Bamberger Publikum ist neugierig, offen und begeisterungsfähig, es ist allerdings insofern konservativ, als es Schauspieler liebt und damit auch Schauspielertheater, Schauspielkunst. Was modernes soziopädagogisches Polittheater anbetrifft, sieht das etwas anders aus", findet Dieter Weinsheimer.


Tscherner: Sie verdient zu viel

Dass mehr hinter der Debatte steckt als nur der künstlerische Kurs wird deutlich, wenn man nach der Höhe der Gage fragt, die mit der Führungsaufgabe für immerhin 85 fest angestellte Mitarbeiter verbunden ist.
Die soll nach dem Jahr 2020 auf einen fünfstelligen Betrag im Monat ansteigen, ist den Äußerungen zu entnehmen. Zu hoch? "Erst schmeißt sie die Leute raus, die für einen Hungerlohn arbeiten, und nun verdient sie sich eine goldene Nase", sagt Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner. Er sieht ein klares Missverhältnis.
Doch auch darüber kann man streiten: Die Höhe der Vergütung bewege sich im Vergleich mit anderen Schauspielhäusern im angemessenen Rahmen, verteidigt Ursula Sowa die Forderung der Intendantin. Sibylle Broll-Pape selbst weist die Vorwürfe zurück. Dass sie zu viele verdiene, davon könne keine Rede sein. Ihr Gehalt sei angemessen und entspreche der Größe des Hauses. Auch der Hinweis auf den Rückgang der Abo-Zahlen ist aus ihrer Sicht nur die halbe Wahrheit. Mit 81 Prozent habe die Auslastung in der laufenden Saison sehr gute Werte erreicht. Es sei gelungen, die Verluste bei Dauerkarten durch Einzelverkäufe aufzufangen.
Dass die Atmosphäre zu ihrem Start in Bamberg nach dem (erzwungenen) Weggang vieler Schauspieler und einer Reihe von strukturellen Änderungen gelitten habe, räumt auch Broll-Pape ein. Doch dies sei längst bereinigt, die Stimmung im Hause "mittlerweile toll". Dass nicht jeder mit jedem gut kann, müsse man hinnehmen, verteidigt die Intendantin unbequeme Entscheidungen. "Wir haben einen anderen, einen großen Anspruch."