Spätestens hier funkt es zwischen Juan Jose De Paco Ortega und Thomas Schmitz: "Brose Bamberg, Top-Team!", sagt Ortega und macht dabei eine Wurfbewegung. Seinem Lebenslauf und seiner Begeisterung nach ist er Basketballer und Fan. 20 Minuten haben Schmitz und Ortega Zeit, sich kennenzulernen. Schmitz ist Leiter des Pflegeheims "Seniorenwohnen am Bruderwald" in Bamberg, Ortega angehender Altenpfleger aus Südspanien. Sie treffen sich im Bistumshaus beim Speed-Dating im Rahmen des Projekts "ProAktiv" der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg. Ziel ist es, Arbeitgeber aus der Region mit Bewerbern aus dem europäischen Ausland zusammen zu bringen und damit dem Pflegenotstand zu begegnen.

Wie groß der ist, zeigt sich auch an dieser Veranstaltung: 14 Arbeitgeber werben um die Gunst von acht Bewerbern, viele würden gerne mehrere anstellen. Schmitz hätte drei genommen, sagt er. Geklappt hat es dann "nur" mit Juan Ortega.

Werben um Bewerber

Hier wird sich ähnlich umworben wie beim klassischen Dating. So wird nach dem ersten Kennenlernen gefragt, ob eine längere Bindung angestrebt wird. Eine Übernahme nach der Ausbildung sei nicht nur möglich, wie von Ortega gefragt, sondern das Ziel, sagt Schmitz. Dann zeigen beide ihre "Schokoladenseite": Im Seniorenwohnen im Bruderwald leben Menschen im betreuten Wohnen und im Pflegebereich nebeneinander, was einige Vorteile bringe. Über die spricht Sonja Riedler, Leiterin der sozialen Betreuung: "Manche Ehepaare ziehen ins betreute Wohnen. Wenn es einem Partner dann schlechter geht, kann er innerhalb des Hauses umziehen und das Paar bleibt zusammen." Auch durch viele Veranstaltungen wie etwa Konzerte und die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten, dem Hundebesuchsdienst, den Klinik-Clowns und anderen kämen die Bewohner der beiden Bereiche und die Mitarbeiter oft zusammen. Schmitz fügt hinzu, dass er schon mehrfach erleben durfte, wie Kinder von Heimbewohnern später selbst dort einzögen. Familiär gehe es auch im jungen Team zu, man unterstütze sich gegenseitig und treffe sich teils auch in der Freizeit, erzählt Riedler.

"Sehr gut", sagt Ortega auf Deutsch. Seinen Lebenslauf hat er selbst übersetzt, für den Großteil des Gesprächs wird aber Dolmetscherin Linda Hacker benötigt. Schnell wird klar, dass sich Ortega im Vorfeld umfassend über das Heim informiert hat. "Das hat mich sehr positiv überrascht", sagt Schmitz.

Ortega will nach Deutschland, weil er sich bessere Arbeitsbedingungen erhofft - wie auch die meisten anderen Bewerber, etwa Elena Vargas, mit der Schmitz und Riedler zuvor gesprochen haben. In Spanien war Ortega als Physiotherapeut bei einem Träger mit mehreren Häusern angestellt. Er musste oft zwischen den Dienststellen wechseln, die teils mehrere Fahrstunden entfernt liegen.

Er freue sich nun auf einen festen Arbeitsplatz, frühzeitige Dienstplanung und das zu erwartende Gehalt (als Hilfskraft 1950 Euro, als Fachkraft in dreieinhalb Jahren 2650 Euro brutto). Schmitz und Ortega sind ein "perfektes Match", wie es beim Dating heißt - ein Volltreffer.

Wie es weitergeht

Von den 14 Arbeitgebern aus Bamberg, Coburg, Forchheim und Lichtenfels wurden drei fündig, alle drei aus dem Raum Bamberg. Den künftigen Altenpflegern werden zunächst die Einrichtungen gezeigt, dann geht es zurück ins Heimatland. Hier nehmen sie an einem Deutschkurs teil. Ab Februar 2019 kommen sie in die Einrichtungen, zunächst als Hilfskräfte. Nebenbei verbessern sie ihre Deutschkenntnisse in einem Intensivkurs. Ab 1. September beginnen sie eine die dreijährige Ausbildung. Finanziert wird das Projekt von der Bundesagentur für Arbeit und dem von der EU-Kommission geleiteten Eures-Programm (European Employment Services). Eures finanziert aus EU-Fördergeldern Anreise und Unterkunft beim Speed-Dating sowie später einen Teil der Umzugskosten. Die Arbeitsagentur übernimmt 75 Prozent des Helfer- und 50 Prozent des Ausbildungsgehalts.

"Die Reaktionen von den Heimleitern und Bewerbern waren sehr positiv. Selbst Arbeitgeber, die nicht zum Zug kamen, wollen wieder mitmachen", sagt Wilhelm Schmitt von der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg, der das Speed-Dating zusammen mit seinem Kollegen und Eures-Berater Sebastian Ziegelmüller organisiert. Das Programm ist laut Schmitt ein großer Erfolg, "kann aber den Bedarf bei Weitem nicht decken." Alleine im Raum Bamberg gibt es 45 Arbeitgeber, die bei der Agentur Bedarf allein an Altenpflegefachkräften anmelden.

Bis zu 80 000 Fachkräfte fehlen

In Deutschland fehlen je nach Angaben zwischen 25 000 und 80 000 Pflegekräfte. "Das Projekt ist nur ein Baustein, es braucht mehrere." Schmitt hofft darauf, dass nach der erfolgreichen ersten Runde nun weitere Bewerber kommen.

"Wenn sich nachträglich jemand meldet, würden wir den auch kurzfristig übernehmen", sagt Schmitz.