Michael Kästner, Mitarbeiter des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig, ist ein eifriger Zeitungsleser. Er arbeitet für das MDR-Erfindermagazin "einfach genial", das immer dienstags von 19.50 bis 20.15 Uhr im Dritten Fernsehprogramm des Mitteldeutschen Rundfunks ausgestrahlt wird. Auf der Suche nach interessanten neuen Erfindungen durchforstet er intensiv Blätter aus ganz Deutschland. Bei der Lektüre unserer Zeitung stieß er auf eine Reportage über den Mürschter Paul Schmitt, den Erfinder von "Paul's Flaschenhalter".
Dieses ebenso geniale wie einfache Gerät ermöglicht das einhändige Öffnen der gängigen 1,5-Liter-Getränkeflaschen und ist auch eine große Hilfe beim Eingießen von Getränken aller Art in Gläser oder sonstige Behälter. Michael Kästner fand, dass diese Erfindung etwas für das MDR-Erfindermagazin ist und machte sich zusammen mit einem Kameramann und einem Assistenten auf den Weg nach Münnerstadt.
Das Tüfteln und Erfinden liegt Paul Schmitt (75), der ein Geschäft für Garten- und Forsttechnik in der Seminarstraße 6 aufgebaut hat, sowieso im Blut. Er hat schon mehrere Erfindungen gemacht; zum Sortiment bei Eisen-Krais in der Veit-Stoß-Straße gehört zum Beispiel die von ihm entwickelte Fugenbürste. Er bekam auch schon einen Innovationspreis des Gartenbauverbandes für seine Ideen und Erfindungen. Vor drei Jahren hatte er sich an der Schulter verletzt und konnte über Wochen eine Hand nicht gebrauchen, nicht einmal eine Wasserflasche konnte er mit der anderen gesunden Hand öffnen. Das störte den Tüftler ganz fürchterlich, und deshalb bastelte er sich in seiner Werkstatt einen Flaschenhalter, der natürlich mit seinem jetzigen, serienreifen Produkt aus Stahl und Kunststoff nur noch wenig Ähnlichkeit hatte.


Patentrechtlich geschützt

Gespräche mit Freunden und Bekannten überzeugten ihn davon, dass er nicht der Einzige ist, der solche Probleme hatte. Der Bedarf war also vorhanden, und ein Patentanwalt fand heraus, dass vor ihm noch niemand so einen Flaschenhalter entwickelt hatte. Es machte also Sinn, ihn zur Serienreife zu entwickeln. Er ließ ihn auch als Gebrauchsmuster patentrechtlich schützen.
Gedacht ist "Paul's Flaschenhalter" für die 1,5-Liter-Pet-Flaschen, die zu Hunderten und Tausenden, gefüllt mit Sprudel, Cola, Limo, Säften in Getränkeabteilungen von Geschäften und in Getränkemärkten verkauft werden. Diese leichten Plastikflaschen aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) sind genormt und haben alle keinen glatten Boden, sondern einheitlich unten fünf große Noppen. Genau die nutzt Paul Schmitt, um seine Flaschen so zu fixieren, dass sie sich nicht drehen können. Der Plastik-Boden seines Gerätes ist entsprechend geformt. Damit die Flasche nicht umkippt, kommt eine Spirale aus Metall dazu. Er hat sogar daran gedacht, dass sich sein Flaschenhalter nicht als Ganzes drehen sollte und einen nach unten ausziehbaren Anschlag integriert. Dieser fixiert dann die Flasche samt Flaschenhalter an einer Tischkante - und das Aufschrauben wird zum Kinderspiel, wie Paul Schmitt während einer Vorführung bei Eisen-Kreis vor laufender Fernseh-Kamera demonstrierte. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass das Gerät auch einen ergonomisch geformten Handgriff hat, der das Ausgießen aus der geöffneten Flasche leicht macht.


Kleinserie zum Jahreswechsel

Paul Schmitt hofft nun, dass eine Kleinserie seines Flaschenhalters etwa um die Jahreswende zur Verfügung steht und dass die Serienproduktion im kommenden Jahr anlaufen kann. "Ich musste mir eigenhändig behelfen. Nun will ich einen kleinen Beitrag leisten, dass andere Menschen ihr Leben selbstständig führen können" sagt Paul Schmitt.
Arno Reuscher, Geschäftsführer von Eisen-Kreis sagt ins Mikrofon "Paul Schmitt hat an alles gedacht, vom festen Stand des Flaschenhalters bis zum ergonomischen Handgriff. Es gibt viele Senioren in der Stadt, die so etwas brauchen können. Ich kann mir vorstellen, dass ich das in unser Sortiment aufnehme, wenn es in Serie geht."