Andreas Lösch

Was macht den Charme eines alten Fahrzeugs aus? Ist es reine Nostalgie, sehnt man sich nach der "guten, alten Zeit"? Nein, sagt Gotthard Schleicher, da stecke viel mehr dahinter. "Da geht es um Spaß am Hobby, Spaß an den Fahrzeugen", erklärt der Oldtimerreferent des Automobilclubs (AC) Ebern. Fahren, schrauben, fachsimpeln, ein Lebensgefühl sei das. Zumal ist die Technik der alten Autos noch hobbywerkstatttauglich. "Das macht solche Treffen aus."
Darum geht es : Von Donnerstag, 10. Mai, bis Sonntag, 13. Mai, versammeln sich in Ebern auf dem alten Kasernengelände über 800 Alt-Opel-Freunde mit ihren mehr als 400 Oldtimern. Opel-Klassiker wie der Rekord, der Kapitän, der Ascona oder der legendäre GT (steht für Gran Turismo) werden zu sehen sein.
Einen solchen GT nennt Heinz Dietz sein Eigen. Er hat das 47. internationale Treffen der "Alt Opel Interessengemeinschaft" federführend mit Schleicher und dem AC Ebern organisiert. Seinen gelben Sportwagen, Baujahr 1971, hat er Ende der 70er für 4000 Mark erstanden und auf Vordermann gebracht, erzählt er. Heute ist der 90-PS-Flitzer (rund 180 km/h Spitze) immer noch in Topform, er wird das Alt-Opel-Treffen als "Nummer 1" anführen.


Kaserne: "Der ideale Ort"

Auch Dietz gerät ins Schwärmen, wenn er von dem bevorstehenden Ereignis spricht. Zum einen, weil er das alte Kasernengelände mit seiner exponierten Lage als "idealen Ort" für solch eine Großveranstaltung bezeichnet. Die Veranstalter erwarten neben den 800 Teilnehmern mehrere tausend Besucher. Zum anderen, weil er sich ganz einfach auf zahlreiche legendäre Opel-Modelle wie den "Blitz" (wurde in den 50er Jahren unter anderem als Feuerwehrfahrzeug eingesetzt), den "Admiral" und die "6/16 PS" Limousine (gebaut von 1911 bis 1920) freut.


Commodere fahren: Ja, bitte!

Opel Commodore GS/E, auch dabei? Klar, auch dieser Klassiker wird in Ebern zu sehen sein. "Damit sind Sie heute noch der König auf der Straße", so Schleicher. Dazu fällt Heinz Dietz eine Anekdote ein. Als er gerade den Führerschein gemacht hatte, sprach ihn sein Vater an. Jungspund Dietz trug in den 70er Jahren den damaligen Hippie- und Rock'n'Roll-Zeitgeist nicht nur mit der entsprechenden Kleidung am Körper zur Schau, sondern auch auf dem Kopf: Die Haare waren lang und zottelig. Dem Vater gefiel's nicht wirklich, wie der Sohnemann herumlief, also machte er ihm ein Angebot: "Du gehst zum Friseur, dann darfst du heute Abend den GS/E fahren." Der junge Dietz ging zum Friseur.
Und klar, auch der Manta gehört zur Opel-Familie. Wegen seines Proll-Images etwas in Verruf geraten, heißt das nicht, dass er ein schlechtes Auto ist, befinden Opelkenner. "Mantafahrer sind nur verdächtig, wenn sie einen Fuchsschwanz dran haben", sagt Schleicher und lacht.