Sommerzeit - Ferienzeit. Doch viele Menschen lassen jetzt nicht nur die Seele baumeln, sondern nutzen die freien Wochen auch für Glaubensfragen. Urlaubszeit - das bedeutet Freiräume, um Neues zu entdecken, Vertrautes neu zu erleben und sich fernab vom Alltag mit Fragen neu auseinanderzusetzen. Im Urlaub kann Glaube neu gelebt werden.


Vertretung für vier Wochen

Ein Blick in die Urlaubsregion Bad Staffelstein: Seit Sonntag vertritt Pfarrer Harald Wildfeuer vier Wochen die Kur- und Urlaubersseelsorger Anja und Helmuth Bautz. Am Sonntag wurde er im Gottesdienst der evangelischen Dreieinigkeitskirche von Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen vorgestellt. Zum achten Mal vertritt Pfarrer Wildfeuer die Urlaubsseelsorger und er kommt gern in die Badstadt. "Mich reizt die Arbeit ,Kirche auf Zeit - Kirche bei Gelegenheit‘", sagte er unserer Zeitung. Er sei vor allem für die Kururlauber und Reha-Patienten da. "Natürlich kommen zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen gerade auch in Bad Staffelstein zahlreiche Einheimische", stellte er fest. Aber sein Hauptauftrag sei es, eher kirchenfernen Touristen und Patienten in der Rehaklinik ein besonderes Erlebnis mit Kirche zu ermöglichen.
Nach Angaben der evangelischen Landeskirche übernehmen allein in diesem Sommer rund 80 Pfarrer solch einen Urlaubsdienst. Für die Kirche sind solche Angebote wichtig. "Wenn ich im Kurpark eine kurze Andacht beim Brunnen an den Gradierwerken halte, dann hören eben auch Leute zu, die mit Kirche sonst nichts am Hut haben", erläuterte Wildfeuer. Sinnsuche sei ein Urbedürfnis. Gerade im Urlaub bewegten sich die Menschen in einer anderen Welt. Sie seien in der Auszeit empfänglich für religiöse Fragen. "Wir machen nicht nur Kirche, sondern bieten auch spirituelle Angebote an besonderen Orten und zu besonderen Zeiten an", sagte er im Hinblick auf die Reha-Patienten in der Schön-Klinik. Das fördere den Heilungsprozess. Das Programm sei bewusst ökumenisch gestaltet, so Pfarrer Wildfeuer und er fügte hinzu: "Ich bin offen für jeden, der kommt, und wer kommt, ist richtig bei uns."
Spezifische Chancen der seelsorgerlichen Kommunikation sieht Pfarrer Wildfeuer darin, nicht eigene Bilder anderen vorzusetzen, sondern umgekehrt: Bei seiner Seelsorge und Beratung steht der ganze Mensch im Mittelpunkt, seine sozialen und materiellen Lebensbedingungen, seine Gefühle und sein Denken, sein Verhalten und seine Wertvorstellungen, seine Suche nach Glück, nach Sinn, nach Gott. Seine Antrittspredigt stellte er unter das bekannte Bibelwort aus den Schriften des Propheten Jesaja "Schwerter zu Pflugscharen machen". Angesichts der unzähligen Kriege, Konflikte und Terror führe uns dieses Wort heute in erster Linie unsere Rat- und Hilflosigkeit vor Augen. Jesaja träumte davon, dass der Tempelberg in Jerusalem, der übrigens erst kürzlich wieder Ziel eines Terroranschlages war, zu einem heiligen Ort des Friedens wird. Die Anhänger aller Religionen sehnten sich nach Frieden. Sie hielten damit die Hoffnung wach, dass eben nicht Bomben und Granaten das letzte Wort behalten. Der Traum des Friedens lebe in diesen Menschen weiter. "Ein sanfter Traum, gewiss", sagte Pfarrer Wildfeuer und schloss mit den Worten: "Aber zugleich ein kraftvoller Traum, der allen, die ihn träumen, die Kraft gibt, in dieser Welt der Gewalt und des Krieges zu bestehen. In diesem Traum kommt der Gott des Friedens zu uns und hält die Hoffnung auf eine Welt ohne Gewalt, Unrecht und Angst am Leben".