Rund um die Entwicklung von Kirche und Kirchengemeinde ging es bei einer Zukunftswerkstatt in Ebern. Der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Ebern hatte alle Interessierten in das Gemeindehaus eingeladen, um Verbesserungen und Anregungen zu diskutieren.

In unterschiedlichen Tischgruppen wurden zu grundlegenden Themen der Gemeindearbeit Ideen gesammelt. So zum Beispiel zum Thema "Wünsche zur Gestaltung von Gottesdienst und Christuskirche". Die Teilnehmer waren der Meinung, dass die Kirchenbänke in der Kirche zukünftig von beiden Seiten aus begehbar sein sollen.

Pfarrer Bernd Grosser nahm diesen Vorschlag in seine Maßnahmensammlung mit auf, denn nach 61 Jahren steht in nächster Zeit eine Dachsanierung an. Nach dem Motto "Wenn, dann machen wir etwas Gescheites", ist Grosser nämlich bestrebt, neben der Erneuerung des Schieferdaches weitere Arbeiten in die Planung einzubeziehen.

Auch kam der Vorschlag bezüglich der Anfangszeit des sonntäglichen Gottesdienstes, diese im Wechsel mit Jesserndorf oder wenigstens einmal im Monat von 10 auf 8.45 Uhr vorzuverlegen. Dies hätte auch den Vorteil, so eine Diskussionsteilnehmerin, dass das monatliche Kirchencafé vielleicht noch besser besucht würde. Vielen sei jetzt der Abstand zum Mittagessen zu gering.

Die Reihe "Kirche mal anders", bei der unter anderem ein Volksmusiknachmittag großen Zuspruch erntete, soll fortgesetzt werden.

Pfarrer Bernd Grosser stellte zum Abschluss des Werkstatt-Nachmittages alle gesammelten Inhalte vor. Insgesamt müsse man mit mehr Attraktivität dem Besucherschwund entgegenwirken. Hier sah man es als Chance an, noch mehr ökumenisch mit der katholischen Kirche zusammenzuarbeiten. Das müsse nicht unbedingt in Gottesdiensten geschehen, sondern auch andere Veranstaltungen und Projekte seien vorstellbar, um gemeinsam mehr Menschen zu erreichen, hieß es. Auch die Jugend soll mehr angesprochen werden. Angedacht ist eine Veranstaltung mit Konfirmanden, ähnlich der jetzigen Zukunftswerkstatt, zu der die Jugendlichen nicht gezwungen werden, sondern freiwillig teilnehmen können.

Weitere Anregungen

In Sachen Öffentlichkeitsarbeit wurde eine große Informationstafel am Gemeindehaus als sehr sinnvoll empfunden, die man auch im Vorbeifahren lesen könnte. Auch ein Auftritt in den sozialen Medien wie Facebook oder Instagram soll forciert werden. Hier könnte man sich auch gut vorstellen, für die Bereitstellung des Inhaltes und Pflege der Seiten Jugendliche einzubeziehen. Ein Wunschtraum wäre auch eine Kirchenband oder die Aufführung eines Kindermusicals. Spielenachmittage für Jung und Alt oder Filmvorführungen mit Diskussion standen ebenfalls auf der Agenda.

Die jüngste Teilnehmerin bei der Zukunftswerkstatt war Susanne Giebfried aus Ebern. Die 25-Jährige fand es gut, sich austauschen zu können, um auch den Blickwinkel der anderen kennenzulernen, zu dem man sonst keinen Zugang habe. Allgemein solle sich die Kirche als Einrichtung überlegen, sich an die aktuellen Lebensverhältnisse und -ziele anzupassen und diesen gerecht zu werden, so die junge Frau, die sich auch als Lektorin engagiert.

Gudrun Köhler, seit letztem Jahr Beisitzerin im Kirchenvorstand, sieht es positiv, dass die evangelische Kirchengemeinde Ebern schon jetzt sehr viel unternimmt. Die Bibel-Tradition mit der Lebenswirklichkeit zu vereinbaren, betrachtet die Rentnerin als selbstverständlich.

Auch Gäste, die nichts direkt mit der evangelischen Kirche zu tun haben, kamen zu Wort. Der katholische Bernhard Kühnel kam zum Beispiel auf persönliche Einladung von Heike Bullnheimer, die im Kirchenvorstand tätig ist. In einem aktiven Zugehen auf Randgruppen, mit dem man auch die Mitte erreichen könnte, sieht Kühnel eine Chance für die Kirchen, wieder mehr Zuspruch zu bekommen. Menschen ohne Perspektiven, die auf der Suche sind, müsse man mehr einbeziehen und ihnen ein Ziel bieten, sagte der Redner.