Der Dorfladen in Obertrubach schließt am 14. Oktober, keine gute Nachricht. Und doch sollte es den Obertrubachern nicht bange sein, wie jetzt eine außerordentliche Bürgerversammlung der Gemeinde Obertrubach im Gasthof Alte Post zeigte.
Als Spezialisten und Berater für Dorfläden war Wolfgang Gröll aus Starnberg vom Dorfladen-Netzwerk als Referent zu Gast. Bürgermeister Markus Grüner (CSU) begrüßte außerdem die bisherigen Besitzer des Dorfladens, Hannelore und Friedrich Küpfer. Er dankte den beiden, die nach 30 Jahren ihren Laden schließen und sich in den Ruhestand begeben.
Im brechend vollen Saal hatten sich mehr als 120 Bürger aus allen Gemeindeteilen in die Anwesenheitsliste eingetragen. In seinem Referat versuchte Gröll, die einzelnen Prioritäten beim Betreiben eines Dorfladens darzustellen, ein komplexes, aber offenbar machbares Unterfangen. Qualität, Regionalität, Wertschöpfung oder auch Erlebniseinkauf sind gefragt. Oberste Ziele sind nicht Gewinnmaximierung, aber achtsamer Umgang mit regionalen Ressourcen, Einbindung aller Bürger vor Ort.


Unterschiedliche Modelle

Es gebe in der Praxis Mischmodelle, unterschiedliche Dorfläden, jeder habe seinen Charme und Charakter. Ein Dorfladen sei außerdem nicht teurer als ein Supermarkt, der mit Sonderangeboten die Käufer locke, aber ansonsten durchaus höherpreisig sein könne. "Ihr müsst es einfach wollen", ist sein mehrfach geäußerter Spruch.
150 Dorfläden betreut Groll und seine Mannschaft. Sechs haben wieder geschlossen, einer ist am Wackeln. Gröll beschönigt nicht, aber es ist letztlich eine ermutigende Bilanz.
Bürgermeister Grüner schlägt vor, Arbeitsgruppen zu bilden, um zu klären, ob der bisherige Laden übernommen werden kann, ein anderes Gebäude gemietet, oder gleich etwas ganz Neues gebaut werden kann. Optionen, die in Obertrubach gegeben sind.
Dazu muss die Rechtsform entschieden werden. Es könnte eine Bürgergemeinschaft sein mit Einlagen um die 300 Euro, wie Gröll andeutete. Im ersten Ansatz wird von einem genossenschaftlichen Modell ausgegangen. Natürlich wäre ein einzelner Investor auch willkommen.


Drei Monate bis vier Jahre

Die Frage, wie schnell das Projekt umgesetzt werden könnte, beantwortet Gröll mit drei Monate bis vier Jahre. "Ostern könnte man so, je nach Entscheidung, wieder in einem Dorfladen von Obertrubach einkaufen. Die Größe des Ladens sollte zwischen 80 und 200 Quadratmeter betragen. Personal sei zu bezahlen einschließlich eines Geschäftsführers. Für den Laden sind zwischen 50 000 und 400 000 Euro aufzuwenden.


Es gibt Fördermittel

Im Freistaat gibt es erhebliche Geldmittel, die das Entstehen und den Betrieb eines Dorfladens leichter machten. Gröll bietet entsprechende Schulungen und Begleitung im Anfang an. "Entscheidend ist der Einstieg, es gibt die Modelle. Wenn wir Interesse haben, können wir es mit der professionellen Beratung machen", sagt auch Beratungsexperte Roland Wölfel aus seiner Erfahrung. "Wir gehen hoffentlich nach Hause in der Hoffnung, dass wir das Problem stemmen können", hatte Bürgermeister Grüner in seiner Begrüßung gesagt, "andernfalls wäre es ein weiterer Tropfen Siechtum einer Gemeinde."
Bei der Frage von Gröll, wieweit die Anwesenden nach den Ausführungen einen Dorfladen wollen, flogen alle Hände spontan in die Luft. Die Gemeinde wird zunächst die Arbeiten koordinieren. Einen ausführlich bearbeiteten Fragebogen zum Einkaufsverhalten in Obertrubach, sollen alle Bürger bis spätestens 20. Oktober an die Gemeindeverwaltung zurückschicken. Dies ist ein wesentlicher Grundstein für die weitere Planung.
Gröll soll umgehend die notwendige Machbarkeitsstudie erstellen. Ab sofort formiert sich ein Arbeitskreis, die ersten Meldungen dazu folgten auf der Stelle. "Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn Du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst", war das Schlussstatement von Wolfgang Gröll. Dazu sind die Obertrubacher offenbar fest entschlossen.