"Musik macht das Herz weich. Ganz still und ohne Gewalt macht sie die Tür zur Seele auf", zitierte Kirchenpflegerin Maria Wiehle die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Beim Doppeljubiläum, das die katholischen Christen in Pfaffendorf in diesem Jahr begehen, wird die Musik im Mittelpunkt stehen. Das Auftaktkonzert am Sonntagnachmittag in der gut gefüllten Sankt-Georgskirche gestaltete der Gesangverein Obersdorf.
"Genau 500 Jahre ist es her, dass die Kapelle Sankt Lorenz erstmals urkundlich erwähnt wird. Zum 300. Mal jährt sich heuer die Einweihung unserer Sankt-Georgskirche. Wir haben also gleich zweifachen Grund zum Feiern", erklärte Wiehle. Und feiern wollen die Pfaffendorfer mit einer ganzen Veranstaltungsreihe: "Wir bieten mehrere Konzerte an, und am 29. Juli kommt Erzbischof Ludwig Schick, um für uns den Jubiläumsgottesdienst zu zelebrieren."
In den vergangenen 300 Jahren hat sich laut Klaus Weiß, Vorsitzender des Gesangvereins Obersdorf, viel verändert - sowohl zum Positiven wie auch zum Negativen. Doch eines sei geblieben: "Wenn Menschen in Not sind, von Ängsten geplagt werden oder Kummer und Sorgen haben, dann zieht es sie auch heute noch in die Gotteshäuser. Sie kommen dort meist innerlich zur Ruhe und verlassen sie mit einem guten Gefühl."


Abwechslungsreich

Geistliche und weltliche Lieder standen im Mittelpunkt des abwechslungsreichen Programms, mit dem die Sänger eine Stunde lang die Zuhörer begeisterten. Die Frauen und Männer bewiesen ein beachtliches Maß an Virtuosität.
Chorleiterin Ingrid Müller erwies sich als umsichtige Dirigentin. Der bunte Reigen beinhaltete bekannte Marienlieder wie "Sancta Maria"« und "Sei gegrüßt, Marie" sowie beschauliche Weisen wie das melodiöse "Die kleine Bergkirche". Faszinierend auch die Segenslieder "Geh mit Gottes Segen" und das beliebte aus Irland stammende Spiritual "Möge die Straße uns zusammenführen".
"Woher kenne ich bloß die Melodie?", werden sich jüngere Zuhörer beim Lied "In Gottes Hand leg ich mein Leben" gefragt haben. Des Rätsels Lösung: Den Song gibt es unter dem Titel "You Raise Me Up" auch in einer englischen Version unter anderem von der irischen Boygroup "Westlife"« interpretiert.
Zwischen den Gesangsbeiträgen trugen Chormitglieder meditative Texte vor. Sie erinnerten daran, dass Menschen mit Worten sowohl verletzen als auch heilen können, und dass Gott sie auch in schwersten Zeiten nicht allein lässt. Nach dem Schlusslied "Herr, segne mich" erhoben sich die Besucher von den Plätzen und klatschten stehend Beifall. Die Sänger kamen um eine Zugabe nicht herum.


Am 13. Mai wieder

Kirchenpflegerin Maria Wiehle lud zum nächsten Jubiläumskonzert am Sonntag, 13. Mai, um 17 Uhr ein. Der "Graatzer Dreigesang", bestehend aus Peter Bartosch sowie den Brüdern Hans-Jürgen und Heinrich Ge ßlein aus Marktgraitz, wird dabei vertraute und weniger bekannte Marienlieder zu Gehör bringen. bkl