Es war die letzte Bürgerversammlung in seiner 24-jährigen Amtszeit - und Rathauschef Eugen Hain konnte hoch erhobenen Hauptes vor seine Einwohner treten. Immerhin 40 der knapp 500 Guttenberger waren zur Bürgerversammlung in den Dorftreff gekommen. Und Hains Rechenschaftsbericht, der dieses Vierteljahrhundert umfasste, war gespickt mit positiven Aussagen.

Die Schulden, die Ende 1995 noch bei etwa 773 000 Euro lagen, seien auf aktuell 183 100 Euro gesunken. "Wir sind fast schuldenfrei",sagte Hain mit etwas Stolz in der Stimme. Und fügte an, dass man auch vielfach investiert habe. Wie zuletzt in die Sanierung des Mietshauses "Am Hohberg" mit 410 000 Euro. "Da wohnt jetzt eine junge Familie drin", freute er sich.

Kirchweih wiederbelebt

Natürlich erwähnte der Bürgermeister den Umbau der alten Schule zum Dorftreff. Entstanden sei ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde , der Eigenanteil habe bei circa 170 000 Euro gelegen.

Was Hain noch gefiel: Die Wiederbelebung des Kirchweihfestes, denn "das war schon fast tot". Auch die Gründung des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereins hob er hervor, außerdem die Sonderstellung Guttenbergs in ganz Bayern, was das Glasfasernetz betrifft. "Bei uns sind alle Häuser bis zum letzten Weiler angeschlossen, davon können andere Gemeinden nur träumen."

Die Straßen seien in ordentlichem Zustand, die Wasser- und Abwassergebühren "im preiswerten Sektor" und die Quellausschüttungen "für sehr gutes Nass" noch ausreichend. Ein paar Sorgen habe die Gemeinde dennoch: "Die Entwicklung der Einwohnerzahlen von 560 im Jahr 1995 auf momentan 474 ist nicht zufriedenstellend, obwohl wir mit neuem Bauland einiges versucht haben", so Hain. "Im Vergleich zu anderen Wohngemeinden im Oberland haben wir uns jedoch noch gehalten." Er warb für ein Grundstück für eine Doppelhaushälfte, das zu einem Preis von 26 Euro pro Quadratmeter inklusive der Erschließungskosten zu haben sei. "Wir freuen uns über jede Anfrage, besonders von jungen Familien." Die rückläufigen Einwohnerzahlen seien "unsere einzige schwache Stelle".

Neues Bauland ausgewiesen

Beim Blick in die Zukunft wies Hain auf neue Baugrundstücke in der Breiten Wiese, die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße nach Streichenreuth und der Schulstraße sowie die Anbindung an das Radwegenetz hin. Ebenso gelte es, die Wasserversorgung einiger Ortsteile neu zu regeln.

Eine Bitte hatte der Bürgermeister noch: Dass der Dorfladen genutzt wird. "Er fördert die Gemeinschaft. Immer nur auf den eigenen Geldbeutel zu schauen, ist hier nicht hilfreich." Ein Rundum-Dankeschön richtete Hain an alle, die mitgeholfen haben, Guttenberg lebens- und liebenswerter zu machen, das Vereinsleben sei aktiv. Und er versicherte mit etwas Rührung in der Stimme, gerne für die Gemeinde tätig gewesen zu sein, was sein Stellvertreter Klaus Witzgall auch bestätigte und unter dem starken Beifall der Anwesenden ein herzliches Dankeschön nach vorne sandte.

Die Diskussion hielt sich in Grenzen, ein Beweis, dass in Guttenberg die Chemie stimmt. Etwas gegensätzlicher Meinung war man zu den Öffnungszeiten des schönen Dorftreffs, wo sich Gemeinderat Thomas Jaekel von den Wanderfreunden Guttenberg und Marga Hain vom TV Guttenberg keine Überschneidungen mit den Vereinen wünschten. "Das nimmt uns Leute weg", sagten sie.

Für den Bürgermeister ist der Dorftreff jedoch auf regelmäßige Zeiten für die Besucher angewiesen. "Wir müssen ein Angebot für alle fördern, auch für solche, die zu keinem Verein gehen. Ich habe im Dorftreff schon Leute gesehen, die sonst nie woanders im Ort zum Essen und Trinken kommen."

Radweganbindung bleibt Thema

Gunhild Wagner-Fleischmann monierte, dass sich bei der Anbindung ans Radwegnetz nichts tut. Sie bat den Bürgermeister, sich mehr dafür einzusetzen. Hain antwortete: "Die Akzeptanz zum Radeln auf dieser Strecke ist nicht hoch genug, fürchte ich. Ich werde aber in meiner kurzen Restzeit am Ball bleiben, den Wunsch erneut an Landrat Klaus Peter Söllner weiter leiten und meinem Nachfolger mit auf den Weg geben."