Matthias Einwag Ab heute antwortet Hans Pfadenhauer, wenn er nach dem Alter gefragt wird: "Ich hab noch sieben Jahr' auf 100!" Mit seinem vierrädrigen Elektromobil, das er "meinen Ferrari" nennt, ist er in der Stadt unterwegs. Zum Einkaufen fährt er damit ebenso wie zum Stadtcafé, wo er täglich einen Kaffee trinkt. Ein weiteres Ziel des Fußballfans ist die Eventbar "Formula Inn", die er gern ansteuert, um Übertragungen der Spiele seines Lieblingsvereins Bayern München zu sehen.

Der gebürtige Burgkunstadter, der seit einigen Jahren in Bad Staffelstein wohnt, steht dem Leben aufgeschlossen gegenüber. Bis zu einem unverschuldeten schweren Unfall vor eineinhalb Jahren fuhr er einen Vespa-Roller. Von diesem Zweirad schwärmt Hans Pfadenhauer noch immer, denn es trug ihn mit bis zu 110 km/h über die Landstraßen.

Langsamer Elektro-Scooter

Das Elektromobil hingegen gehört einer anderen Liga an: "Zuerst dachte ich, ich werd' wahnsinnig, weil das so langsam war." Anfangs habe er sich sogar ein wenig geschämt, mit diesem Elektromobil durch die Stadt zu zockeln. Doch dann sah er Menschen damit fahren, die jünger sind als er und freundete sich mit dem Scooter an. Die Bediennungsanleitung musste er freilich lange studieren - und er ist überzeugt: "A Vespa is' leichter zu fahren wie des Ding."

Deshalb hat er sich bereits ein schnelleres E-Mobil bestellt, das besser zu bedienen ist. "Ohne so ein Fahrzeug komm' ich nicht mehr aus", sagt der Mann, der zeitlebens nur Motorräder und Roller, nie aber Auto gefahren ist. Sich selbst bezeichnet er als "Sportskanone", als jemanden, der sich an der frischen Luft wohlfühlt. Hans Pfadenhauer spielte aktiv Fußball beim FC Burgkunstadt und war passionierter Taucher. "Ich bin ka Stubenhocker, ich bin a freier Vogel", skizziert er seine Lebensart. Geistig fit hält er sich mit Sudokus sowie Zahlen- und Buchstabensuchspielen: "Es braucht Geduld, aber man schafft es." Fernsehfilme zeichnet er gern auf der Festplatte auf - "um die Werbung zu umgehen".

Im Digitalzeitalter angekommen

"Ich fühl mich fei net so alt", sagt er grinsend und holt eine Liste mit Schlagertiteln hervor. Die Titel von Melodien, die ihm gefallen, schreibt er vom Display seines Digitalradios ab. Schlager von den Flippers bis zu Boney M wünscht er sich dann von Alexa, der sprechenden Dame aus dem Internet, die ihm fast alle Wünsche erfüllt ("Jeden Interpreten spielt sie ab") und die Wettervorhersage vorliest. Einmal flirtete er sogar mit dieser körperlosen Digital-Diva: "Alexa, ich mag dich!" Als Antwort kam: "Das ist aber nett, dass man noch begehrt wird."

"Irgendwie bin ich a weng a Glücksmensch", sagt der 93-Jährige über sich. Dabei hatte er es nicht immer leicht im Leben: Vier Verwundungen im Krieg in Russland - zudem erfrorene Füße und Ohren. "Wie hat man das überhaupt ausgehalten?", fragt er sich heute, wenn er daran denkt, dass er sich als Soldat mit dem Spaten ein vor der Kälte schützendes Loch graben musste, um darin zu übernachten: "Heute kann ich ins Haus, kann mich aufwärmen."

Seine Frau Elisabeth hatte er im Lazarett in Ostpreußen kennengelernt. Sie kam am Kriegsende zu ihm nach Burgkunstadt. Hans Pfadenhauer arbeitet dort in der Schuhindustrie. 1948 heiratete das Paar in Vierzehnheiligen. Das Hochzeitsessen im "Alten Fritz" in Lichtenfels war nicht opulent, denn "die Zeiten waren schlecht". Serviert wurde das "Stammgericht": Salzkartoffeln, Sauerkraut und Fleischwurst.

Im Frühjahr 2017 starb Elisabeth, die er sehr vermisst. "Mei Fraala", wie er sie liebevoll nennt, war schließlich sieben Jahrzehnte an seiner Seite. Auch seine Tochter Rosemarie ist bereits gestorben. Wenn es um Medikamente, Formulare oder Besorgungen geht, die er nicht selber machen kann, weiß Hans Pfadenhauer dass er sich auf seine Enkelin Sabine verlassen kann, die ihn umsorgt.

Was ist nach dem Tod? Gibt es einen Gott? Und was ist ein Schwarzes Loch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Hans Pfadenhauer derzeit. Von seiner Enkelin hatte er sich das Buch "Kurze Antworten auf große Fragen" von Stephen Hawking gewünscht. Das interessiert ihn genauso brennend wie Fußball. Ob er das Buch schon durchgelesen hat? Seine Antwort klingt beinahe entrüstet: "Naaa! Ich bin erst dreiviertels durch - des mussta genießen!"