Ekkehard Roepert

Artistisches Theater auf Forchheims Straßen, vor acht Jahren gab`s das zum ersten Mal. ZirkArt, vom Jungen Theater veranstaltet, von Festivalmacher Lorenz Deutsch vorangetrieben, von Dutzenden Helfern ehrenamtlich unterstützt, geht nun im September in die vierte Runde.
Lorenz Deutsch kommt aus der Szene. Daher sei es anfangs so gewesen, als würde man Freunde einladen, erinnert sich der 31-Jährige. Doch das habe sich gewandelt. Das im zweijährigen Turnus veranstaltete Festival hat sich etabliert. Das Organisationsquartett (unterstützt wird Lorenz Deutsch von Annika Gloystein, Max Taschenmacher und Sigrid Wagner) wird mit Anfragen bestürmt: Agenturen schicken haufenweise ihre Bewerbungen nach Forchheim.
Doch Lorenz Deutsch wählt nicht nur aus den Angeboten aus, er sucht aktiv nach Akteuren. Etwa auch bei Kulturbörsen und Messen (in Freiburg oder Paderborn). Bei seiner Suche stieß er beispielsweise auf das Duo Maleta. Die Produktion des irischen und des Kölner Straßenkünstlers gefiel Lorenz Deutsch so sehr, dass er die beiden zu einem "Künstler in Residence"-Projekt nach Forchheim einlud. Das heißt: Das Junge Theater tritt als Gastgeber auf - das Duo Maleta wird zehn Tage vor Ort sein und bis zuletzt an jener Produktion arbeiten, die dann beim ZirkArt-Wochenende vom 7. bis 9. September zu sehen sein wird.
Neu bei der vierten Festival-Edition sind die sogenannten Walkacts, also der Einsatz mobile Gruppen. Unter ihnen beispielsweise auch die aus der Region stammenden Akrobaten der Living Flags, Alexander Neppl und Jonas Dürrbeck. Diese mobilen Auftritte werden nicht eigens im Programm angekündigt. "Es passiert also etwas zwischen den Bühnen", sagt Lorenz Deutsch: "Das bringt zusätzliche Dynamik in das Festival und die historischen Fassaden der Stadt kommen noch stärker in den Blick."


Internationales Flair

ZirkArt ist vom Jungen Theater als Veranstaltung "zwischen allen Schubladen" konzipiert. Zwar ist das Festival dem Neuen Zirkus verpflichtet; doch auch andere Darstellungsformen (Musik, Straßentheater etc.) spielen eine Rolle. In den vergangenen Jahren wurde ZirkArt zudem durch Podien und Ausstellungen bereichert.
Darauf haben die Organisatoren heuer verzichtet. Denn es geht etwas eng zu beim diesjährigen Festival. Das Forchheimer Rathaus steht wegen der Sanierung nicht zur Verfügung. Daher wird den Künstlern vermehrt Raum in der Kaiserpfalz eingeräumt.
Da sich der Neue Zirkus in Deutschland erst allmählich etabliere, lebe das Forchheimer Festival stark von internationalen Künstlern, sagt Lorenz Deutsch. Rund die Hälfte der Darsteller reisen aus dem europäischen Ausland an. Auf diesem Weg kommt Anfang September internationales Flair in die Stadt. Diese Belebung begeistert auch die neue Citymanagerin Elena Büttner: "Ich persönlich war noch nicht auf dem ZirkArt-Festival und werde es dieses Jahr zum ersten Mal besuchen. Mir wurde viel Positives von dieser Veranstaltung berichtet und ich freue mich sehr darauf."
Zwar gebe es aktuell noch keine konkreten Überlegungen, ZirkArt mit einer anderen städtischen Aktion zu verknüpfen. "Ich würde es allerdings für die Zukunft auch nicht ausschließen", sagt Elena Büttner: "Da gilt es einfach zu prüfen, ob das generell sinnvoll und auch gewünscht ist."


Berührungspunkte

Grundsätzlich sehe sie zwischen dem Citymanagement und dem Jungen Theater "Berührungspunkte", betont Elena Büttner. "Ich habe in der Planungsphase des Anstattfestes den Kontakt zu Lorenz Deutsch aufgenommen und war sehr beeindruckt, was das Junge Theater alles leistet. Außerdem war es eine absolute Bereicherung, dass sie am Anstattfest aufgetreten sind. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft noch viele Projekte und Aktionen geben wird, bei denen wir uns gegenseitig unterstützen können."