Andreas Lösch

Für Franco di Maria gilt die Devise: Was man nicht ändern kann, darüber regt man sich nicht auf. Dass Italien die Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft nicht geschafft hat, kann er nicht ändern, also regt er sich nicht auf.
Wenn, dann wirft er lieber einen realistischen Blick auf die Situation der italienischen Nationalmannschaft: Die gescheiterte WM-Teilnahme seiner Landsleute komme nicht von ungefähr, "da sind die selbst dran schuld", sagt der 67-Jährige, der in Ebelsbach eine Pizzeria betreibt. Zu spät habe ein Umbruch stattgefunden und die italienische Liga (Serie A) fördere zudem nicht genug die heimischen Talente.


Seit 37 Jahren in Ebelsbach

Seit 1968 lebt di Maria in Deutschland, vor 37 Jahren kam er nach Ebelsbach. Freilich interessiere ihn Fußball, den Sport mag er gerne, erklärt er, das Geschäft dahinter weniger. "Mittlerweile ist es ein reines Geschäft", bedauert er. Und doch, so ganz kann er es nicht sein lassen, schaut auch ab und zu ein Spiel bei der aktuellen Fußball-WM an, wenn es die Zeit zulässt. "Um 17 Uhr macht mein Lokal auf. Da kann ich dann sowieso nicht mehr zuschauen", sagt er. Das wäre auch der Fall gewesen, wenn sich die Italiener qualifiziert hätten, somit verpasse er gar nicht so viel, sagt er schmunzelnd. Und auch wenn es viele seiner Landsleute wohl etwas emotionaler betrachten, dass die Squadra Azzurra nicht dabei ist, so nimmt es der Sizilianer di Maria nicht ganz so schwer: "Fußball ist nicht alles."
Fußballerverrückte Landsleute kennt er besonders aus Neapel, wobei die dann eher auf den SC Neapel setzen als auf die Nationalmannschaft. Ein früherer Mitarbeiter, erzählt di Maria, "hat mal seine Frau im Stadion in Neapel vergessen, weil er so aufgeregt war. So verrückt bin ich nicht".
Und wie schaut es aus bei den Niederländern? In Fatschenbrunn (Gemeinde Oberaurach) wohnt Nico Scholtens, der in Apeldoorn, Niederlande, geborene Weingutbetreiber gibt unumwunden zu, dass ihm die nicht geschaffte Qualifikation der niederländischen Nationalmannschaft "völlig wurschd" ist. "Ich muss Sie leider enttäuschen. Ich interessiere mich nicht für Fußball", sagt er dem Fränkischen Tag am Telefon. Freilich, viele Landsleute fiebern gerne mit, wenn die "Elftal" spielt, für die tue es ihm schon leid, aber im Hause Scholtens ist Fußball nicht wirklich angesagt.


"Ihr werdet schon sehen"

Zurück nach Ebelsbach, wo Franco di Maria zumindest ein bisschen in WM-Stimmung kommt, denn er verfolgt ja auch die Spiele der deutschen Nationalmannschaft (seine Frau ist Deutsche, seine drei Söhne haben die doppelte Staatsbürgerschaft).
Dass Deutschland am Samstag gegen Schweden nicht gewinnt, bezweifelt er stark, er schätzt das deutsche Team nach wie vor als eines der besten bei dem Turnier ein. Auch, wenn das Auftaktspiel gegen Mexiko in die Hose ging. "Ihr werdet schon sehen. Die werden Fußball vom Feinsten zeigen. Das kann doch nicht sein, dass die das Fußballspielen verlernt haben", sagt er.
Bezeichnend jedoch: Ausgerechnet gegen Schweden verpassten die Italiener die WM-Qualifikation. Ihnen gelang weder im Hin- noch im Rückspiel ein Tor gegen die abwehrstarken Skandinavier.