Bad Rodach — "Das war wirklich eine Zumutung. Es gab kein Waschbecken, im Kippfenster hing das Laub und es ist scheinbar jahrelang nicht mehr geputzt worden." Spricht Rüdiger Wiesert über die alte Friedhofstoilette in Bad Rodach, packt ihn die Wut. Wenn der 72-jährige Heldritter das nächste Mal die Gräber seiner Angehörigen in der Nähe der St.-Marien-Kirche pflegt, wird er ein anderes Bild vorfinden: Auf städtischen Beschluss fliesten zwei externe Firmen zu Jahresbeginn den Boden und installierten ein Waschbecken. Die Streicharbeiten nahmen Bauhofmitarbeiter vor. 5000 Euro seien investiert worden. "Die Kosten waren im Rahmen, also haben wir es gemacht", sagt Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD), der den Standort der sanitären Einrichtungen für sinnvoll hält. "In dieser Ecke des Friedhofs sind die aufwendigeren Gräber. Deren Pflege nimmt oft mehr Zeit in Anspruch – da ist es wahrscheinlicher, dass das WC gebraucht wird." Fortan ist es zwischen 8 und 20 Uhr geöffnet. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkte muss es jedoch geschlossen bleiben, um zu verhindern, dass die Leitungen einfrieren.

Scheinbar kein Bedarf

Dass sich all die Jahre an den Zuständen nichts geändert hat, begründet Ehrlicher damit, dass scheinbar kein Handlungsbedarf bestand. "Wir haben viele öffentliche Toiletten. Am Kupferturm und im Haus des Gastes. Zeitweise dachten wir, es sei nicht notwendig", erklärt er.

Wiesert hingegen sei des öfteren angesprochen worden, dass die Zustände untragbar seien. "Teilweise sind die Leute lieber in die Hecken als auf das alte Klo gegangen, wenn sie mal mussten. Zum Händewaschen haben sie die Wasserhähne benutzt, die eigentlich zum Gießen der Grabblumen gedacht sind."

Ehrlicher beschloss, nachdem sich die Hinweise der Bürger häuften, zu handeln. Er betont jedoch auch, dass die Einrichtung ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit, sondern für die Bauhofmitarbeiter gedacht war – deren Geräteschuppen sei gleich daneben. Mit der Zeit hätten auch die Friedhofsbesucher die Einrichtung genutzt – so sei sie faktisch öffentlich geworden. Den Schmutz im alten Toilettengebäude erklärt er mit den schwierigen Bodenverhältnissen. Bei diesen sei es nicht möglich gewesen, zu wischen.

Die neuen Fließen machen das jetzt möglich. Einzig, dass der Zugang nicht barrierefrei ist, sehe er problematisch: "Das war leider nicht umsetzbar. "

Wiesert bedauert das ebenfalls, gibt sich jedoch im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt versöhnlich: "Ich war zwar noch nicht dort – der Einladung des Bürgermeisters zur offiziellen Eröffnung konnte ich leider nicht nachkommen – aber ich glaube, wir können erst mal zufrieden sein. Das ist ein Anfang." Bei seinem nächsten Besuch vor Ort wolle er sich selbst ein Bild machen. "Ich werde sie mir anschauen. Nutzen werde ich sie so schnell wahrscheinlich nicht – ich halte das schon noch aus", sagt er schmunzelnd.