Die 720 Kilometer lange Fahrt von Rotterdam nach Burgkunstadt haben sich für Gerben van Berkum gelohnt. Der niederländische Modellflugpilot gewann den Teilwettbewerb der Eurotour, die im Burgkunstadter Ortsteil Kaltenreuth Station gemacht hatte.
Freudig und stolz reckte er bei der Siegerehrung am Sonntagnachmittag auf dem Kaltenreuther Flugplatz den schwarzen Flügelpokal in die Höhe. "Es herrschte an beiden Tagen eine Hammer-Thermik. Man musste sehr vorsichtig und effizient fliegen. Das war eine Herausforderung für jeden Piloten. Und ich liebe Herausforderungen", kommentierte er seinen Sieg.


Lob für "Superkonkurrenz"

Er schwärmte aber auch von der "Superkonkurrenz", die sich auf der Hochebene bei Burgkunstadt eingefunden hatte. Insgesamt 17 Piloten aus den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz und Deutschland waren zum fliegerischen Kräftemessen in der Disziplin F 5B (siehe Infobox) an den Obermain gekommen. Im Rahmen der Eurotour werden insgesamt elf Teilwettbewerbe ausgetragen, die die Piloten nach Belgien, Dänemark, Deutschland England, Italien, Österreich und die Schweiz führen.
Nach langen Jahren der Abstinenz war wieder einmal der Flugplatz von Kaltenreuth Schauplatz eines Eurotour-Wettbewerbes. Organisiert und eingefädelt hatte das Ganze der mehrfache Europa- und Weltmeister Wolf Fickenscher von der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt. Der Lokalmatador, der für gewöhnlich ein Abonnement auf vordere Plätzte hat, ging diesmal leer aus. Nur ein sechster Platz sprang für ihn heraus. "Die Leistungsdichte in Burgkunstadt war sehr eng. Die Abstände unter den ersten sechs waren nicht sehr groß. Da reicht schon ein kleiner Fehler und man rutscht ein paar Plätze nach hinten."


Qualifikation für WM

Bei der Eurotour traf Fickenscher auf einen alten Freund: Guntmar Rüb aus Stuttgart, dem Einzelweltmeister von 2008. "Wir haben uns bei Wettbewerben kennengelernt. 2004 und 2006 bildete ich zusammen mit ihm und Heiko Greiner aus Ludwigsburg die deutsche Nationalmannschaft. Wir wurden damals Weltmeister im Modellfliegen", erzählte Rüb. Auf dem Kaltenreuther Flugplatz wurde nicht nur für die Euro-Tour geflogen, sondern auch für den World-Cup und die deutsche Meisterschaft. Für die deutschen Piloten bildete der Wettstreit zudem eine von insgesamt drei Qualifikationen für die Weltmeisterschaft, die im nächsten Jahr in Japan stattfinden wird.
"Der erste Ausscheidungswettbewerb für die WM hatte im Mai dieses Jahres in Gommersheim in der Pfalz stattgefunden. Es folgte Burgkunstadt, ehe es dann am 16. und 17. September nach Bad Brückenau in Unterfranken geht. Dort entscheidet sich, wer das begehrte Ticket nach Japan erhält. Die besten drei aus den drei Wettbewerben bilden die Nationalmannschaft", erklärte Rüb. Die Plätzen vier bis sechs bildeten das Stellvertreterteam, falls einer der ersten drei nicht nach Japan reisen könne oder wolle, ergänzte Wettbewerbsleiter Walter Hildel aus Herzogenaurach. Als eine Art Schiedsrichter hatte er darüber gewacht, dass die sportlichen Regeln eingehalten wurden.


Die Spitze ist eng zusammen

Ein Auge auf die Pokale hatte der Vorsitzende des Segelflugvereins "Kordigast" Burgkunstadt, Werner Hahn. Gemeinsam mit Burgkunstadts Drittem Bürgermeister Manfred Hofmann überreichte er Trophäen an die drei Erstplatzierten: 1. Gerben van Berkum (Rotterdam/2993,7 Punkte) 2. Christian Ulbrich (Stuttgart/2969,3 Punkte) 3. Thomas Waeckerlin (Eschenbach im Kanton St. Gallen in der Schweiz/2964,9). Wolf Fickenscher hatte als Sechster eine Gesamtpunktzahl von 2935,3 erzielt.