Es ist Montag, der 11. August 1958. Vor dem Standesbeamten in Mönchröden stehen um 17 Uhr Liselotte Baudler und Paul Rother und wollen den Bund fürs Leben schließen. Heute können sie das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern.
Bis es zur Eheschließung kam, mussten die jungen Menschen, beide waren gerade einmal 20 Jahre alt, ganze Felsbrocken aus dem Weg räumen. Der Vater von Liselotte Baudler hatte sich eingebildet, dass seine Tochter einen hiesigen Landwirt heiratet. Paul Rother war für den Brautvater alles andere als standesgemäß. Schließlich war der in Freiburg (Schlesien) geborene junge
Mann mit einem Makel behaftet, der in der damaligen Zeit vielen Menschen angehängt wurde: Er war ein Flüchtling. Auch wenn ihr Vater strikt gegen die Verbindung seiner Tochter mit Paul Rother war, Liselotte Baudler ließ sich nicht einschüchtern und hielt zu ihrem Paul. Auch mit der Konsequenz, dass sie mit 18 Jahren das Elternhaus in Boderndorf verließ und im Gasthaus Schilling in Spittelstein unterkam. Vater Baudler gab sich aber noch nicht geschlagen. Er setzte einen Rechtsanwalt ein, der Paul Rother aufforderte, "die Finger von der ehrbaren Tochter zu lassen". Auch dies konnte das junge Paar auf dem Weg zum Standesamt nicht aufhalten.
Da man damals erst mit 21 volljährig wurde, musste auch das Jugendamt überzeugt werden, dass man mit einem Einkommen von 285 Mark eine Familie versorgen könnte. Auch diese Hürde wurde genommen. "Auf unsere Ehe wurde damals kein Pfifferling gegeben", erinnert sich heute Liselotte Rother, wie die Jubilarin sei nunmehr 60 Jahren heißt. "Wir waren arm wie die Kirchenmäuse, aber glücklich", beschreibt Paul Rother die damalige Situation.
Angefangen hatte alles mit einem Faschingstanz im Wildparksaal in Mönchröden, bei dem sich die beiden das erste Mal über den Weg gelaufen sind. Ein Jahr später, auch wieder beim Fasching, diesmal in Einberg, wurde dann die erste Weiche fürs gemeinsame Leben gestellt. Vielleicht waren es gerade die Felsbrocken, die ihnen in den Weg gelegt wurden, die sie so eng zusammenschweißten. Lang blieben die frisch Getrauten nicht allein. Ende September 1958 gesellte sich Tochter Erika zu ihnen. Am 8. November desselben Jahres traten die Jubilare nicht nur vor den Traualtar in der Mönchrödener Christuskirche, sondern ließen ihre Tochter gleichzeitig taufen.
Sechs Jahre später wurde Tochter Birgid geboren. Stolz sind beide auf ihr Domizil am Rießberg, das seit 1974 ihren Lebensmittelpunkt bildet. Neben der Familie stehen bei den Rothers die Liebe zu ihrem Garten und der Umgang mit zahlreichen Vereinen hoch im Kurs. Die Gartenarbeit wird den Jubilaren auch im Alter von 80 Jahren nicht zu viel. "Es dauert halt alles ein wenig länger", stellte Liselotte Rother locker fest.


Große Auszeichnung

Das soziale Engagement von Paul Rother wurde unter anderem mit der Goldenen Stadtplakette der Stadt Rödental und der "Willy-Brand-Medaille" gewürdigt. Für Paul Rother steht fest, dass es Gottes Wille war, dass die vielen guten Wünsche, die seiner Frau und ihm bei der goldenen Hochzeit zuteil wurden, in Erfüllung gegangen sind.
"Ansonsten könnten wir das Fest der diamantenen Hochzeit so nicht feiern", meinte Paul Rother vielsagend. Ehrlich klingen seine Worte, wenn er fast philosophisch konstatiert: "Man kann den Frühling im Jahr nicht festhalten, aber man kann jung bleiben in der Seele bis an sein Ende, wenn man die Liebe in seinem Herzen lebendig erhält." "Groß gefeiert wird erst im November,
wenn sich der Tag der kirchlichen Trauung zum 60. Mal jährt", ließ Liselotte Rother wissen. Besonders freut sich das Paar darauf, dass auch die beiden
Enkel Thomas und André dann mit dabei sein können. mr