In der Luftfahrt ist es seit Jahrzehnten gang und gäbe. Vor jedem Flug gehen Piloten im Cockpit die wichtigsten Fragen durch: Ist genug Kerosin an Bord? Funktionieren sämtliche Steuerelemente und Instrumente korrekt?
Schließlich geht es um die Sicherheit der Passagiere. "Genau dieses Checklisten-Modell haben wir auf unsere OP-Säle übertragen, um Behandlungsfehler zu vermeiden", sagt der pflegerische Leiter des OP-Zentrums, Sven Betz. Denn viele Probleme entstünden aus einer Verkettung vieler kleiner und oft vermeidbarer Fehler. Daher setzt man im Bamberger Klinikum ein vierstufiges Sicherheits-Maßnahmenkonzept um, das den Empfehlungen des Aktionsbündnisses entspricht.

Die Sicherheitsmaßnahmen beginnen schon auf der Station. Jeder Patient bekommt bei der Aufnahme ein Armband angelegt. Dieses ist mit dem Namen des Patienten und einem Barcode versehen, um ihn zweifelsfrei identifizieren zu können. Bei bestimmten Eingriffen markiert der Chirurg am Tag vor der Operation beim Aufklärungsgespräch das Operationsgebiet mit einem wasserfesten Stift, um etwa den zu operierenden Lungenflügel oder das "richtige" Knie zu kennzeichnen.
Bei der Ankunft im OP wird der Patient nach seinem vollen Namen und dem Geburtsdatum befragt. Zudem wird sein Sicherheitsarmband gescannt, um jede Verwechslung auszuschließen. Es folgen Kontrollen der Unterlagen: Sind sie vollständig? Sind die Einwilligungen des Patienten für den Eingriff und die Narkose vorhanden? Alle Kontrollschritte werden auf der Checkliste dokumentiert.


Erhebungsphase "Sign In"


Aber das ist noch nicht alles. Es müssen noch weitere Parameter erfragt werden, die für den Patienten von erheblicher Relevanz sein können. Bezeichnet wird diese Phase der Erhebung als "Sign In". Dazu gehören Allergien, Beatmungsprobleme bei vorangegangenen Eingriffen, ob die Ausrüstung für diese Operation vollständig vorhanden ist, wie hoch der geschätzte Blutverlust ist und ob für Blutersatz gesorgt ist, ob ein adäquater venöser Zugang gelegt ist und vieles mehr.


Team-Time-Out


Sind die Checklisten auf Punkt und Komma abgearbeitet, folgt der nächste Sicherheitsschritt, das Team-Time-Out. Dabei handelt es sich um eine kurze, wichtige Besprechung im OP-Saal.
Zum Teil muten die Fragen, die noch einmal gestellt werden, banal an: Wie heißt der Patient? Wann ist er geboren? Welcher Eingriff wird vorgenommen? So wird sichergestellt, dass es nicht zum Super-GAU kommt - richtige Operation, falscher Patient. Und weiter geht es: Welche Risiken bestehen aus Sicht der Anästhesisten? Und welche aus Sicht des Operateurs? Die OP-Pflege bestätigt, dass das Instrumentarium vollständig und steril im Saal ist und Implantate, wenn benötigt, bereit liegen. So sorgt das Time-Out dafür, dass trotz professioneller Routine ein zusätzlicher Kontrollmechanismus greift und größtmögliche Transparenz im Team geschaffen wird. Jeder ist umfassend und über die eigene Zuständigkeit hinaus informiert, weiß was auf ihn zukommt und wo er in der Verantwortlichkeit ist. Damit unterstützt das Time-Out ein reibungsloses Zusammenarbeiten, das dem Patienten zugute kommt. Erst danach darf die Operation beginnen.


Nach der Operation: "Sign Out"


"Viele Patienten haben auch Angst davor, dass Instrumente oder Tupfer in ihrem Körper vergessen werden", weiß Sven Betz. Die Checkliste beim so genannten Sign Out dient unter anderem dazu, nachzuweisen, dass konsequente Zählkontrollen durchgeführt wurden und alle bei der Operation zum Einsatz gekommenen Instrumente, Nadeln, Tücher und Tupfer vollständig sind. Wie diese Zählkontrollen durchzuführen sind, auch das ist den Vorgaben des Aktionsbündnisses Patientensicherheit entsprechend detailliert geregelt und wird elektronisch dokumentiert.