Jedes Jahr werden rund 13.000 Menschen im Klinikum Bamberg operiert. In keinem anderen Bereich des Krankenhauses arbeiten so viele hochspezialisierte Fachkräfte auf engem Raum zusammen: Operateure, OP- und Anästhesiepflegekräfte, Anästhesisten, Versorgungs- und OP-Technische Assistenten, nicht zu vergessen, speziell geschulte Reinigungskräfte. Das gelingt nur Hand in Hand und mit einem ausgefeilten OP-Plan, der Zeit-, Termin- und Schichtpläne berücksichtigt, Ressourcen verwaltet und die Infrastruktur mit einbezieht. Die beste OP-Planung nutzt allerdings nichts, wenn Notfälle hereinkommen, unerwartete Komplikationen auftreten, Mitarbeiter erkranken oder es zu technischen Störungen kommt. Für solche Fälle müssen im OP-Alltag Pläne und Entscheidungen revidiert werden können, und es müssen freie Kapazitäten vorgehalten werden. Nur eine ausgefeilte Logistik ermöglicht es dabei, alle Abläufe trotz Zeitdruck und häufiger Störungen von außen, sicher zu koordinieren. Und das ist die Aufgabe von OP-Manager Dr. Lothar Schnabel.


Alltag im OP-Betrieb


OP-Zentrum, 08:00 Uhr. Die ersten Patienten liegen narkotisiert, korrekt gelagert und mit desinfiziertem Operationsfeld auf dem OP-Tisch in den einzelnen Sälen. In OP 1 startet eine Gefäßoperation, im "Zweier" soll ein Hirntumor entfernt werden, im "Dreier" wird eine Patientin ein künstliches Hüftgelenk bekommen, im "Sechser" steht eine große Tumoroperation im Bauchraum an, im "Achter" wird ein Mann an der Prostata operiert - und Dr. Schnabel hängt ständig am Telefon. Eben hat die Frauenklinik einen Notkaiserschnitt gemeldet, da geht es um Minuten, Anästhesist, OP-Schwestern, Kinderarzt, Kinderkrankenschwester ab in den OP, organisierte Hochgeschwindigkeit ist angesagt. Dr. Schnabels andere Aufgaben müssen jetzt warten.


Kein Plan ist in Stein gemeißelt


Der OP-Manager hat durch seine logistischen Entscheidungen eine zentrale Rolle - vor allem während des laufenden Operationsbetriebs. Denn trotz einer exakten OP-Planung muss er ständig flexibel auf Änderungen reagieren. Es reicht schon, dass ein Patient aus Versehen etwas gegessen hat. Sofort wird der Eingriff im Plan gelöscht und andere Operationen müssen vorrücken. Notfälle oder akute Patientennachmeldungen haben oberste Priorität im Ablauf. Notfalls muss eine weniger dringende Operation auf den nächsten Tag verschoben werden. Solche Entscheidungen verlangen immer noch menschlichen und medizinischen Weitblick, bei dem der Computer allenfalls behilflich sein kann.

Gute Nerven und vor allem Teamfähigkeit sind daher eine wichtige Voraussetzung für seinen Beruf. "Im OP funktionieren wir wie ein Orchester. Jeder hat seine klar definierte Rolle und beherrscht sein "Instrument" vollkommen", erklärt Dr. Schnabel. Doch nur durch das präzise Zusammenspiel von Solisten und Orchester entstehe unter Leitung des Dirigenten die perfekt interpretierte Symphonie.

Dabei ist Dr. Schnabel auch die Zuwendung zum einzelnen Patienten besonders wichtig: "Wir erleben es immer wieder, dass Patienten vor ihrer OP große Angst haben. Und wenn einer darum bittet, ihm die Hand zu halten, bis er schläft, dann machen wir das natürlich."