Ekkehard Roepert

Als Philosophielehrer denkt Jens Wimmers immer auch über die klugen Fragen seiner Schüler nach. Etwa über diese: "Was ist eigentlich Sinn?" Oder: "Hat der Teufel ein schlechtes Gewissen, wenn er Gutes tut?" Es war auch die Auseinandersetzung mit seinen Schülern, die den 46-Jährigen zu diesem Buch inspirierten; zu einem Ratgeber, der davon handelt, wie jeder seinen Weg zum Glück gestalten kann.
Jens Wimmers lehrt Geschichte, Ethik und Philosophie am Herder-Gymnasium in Forchheim. Und er ist Dozent für Philosophie an der Universität Bamberg. Zudem ist Wimmers Pianist in dem nach ihm benannten Boogie Trio. Einen "entscheidenden Impuls" für sein Buch habe ihm der Schlagzeuger seines Trios gegeben, erzählt Wimmers.
Der Schlagzeuger machte den Pianisten auf die Texte des legendären chinesischen Zen-Meisters Linji aufmerksam, der im 9. Jahrhundert eine Schule gründete, die bis heute in Japan als Rinzai-Zen berühmt ist.


Zwei Wege, ein Weg

Mit seinem Buch "Linjis Weg zum Glück" verbindet der promovierte Philosoph Wimmers den Anspruch, so zu schreiben, dass auch seine jungen Schüler es verstehen können. Schon das Titelbild verrät sinnbildlich, um was es geht. Da sind zwei Wege zu sehen, die in einen Weg münden. Das ist die Basisüberzeugung, die Jens Wimmers über 162 Seiten verfolgt: Der glückliche und der sinnvolle Weg sind letztlich ein Weg - Herz und Kopf sind in Einklang zu bringen. Mit dieser These opponiert der Forchheimer Philosoph gegen die gängige Überzeugung vieler Achtsamkeitslehrer, die das Fühlen überbetonen und die Rationalität ausblenden. "Die Achtsamkeitsliteratur hört auf zu denken", kritisiert Wimmers. Sein Ratgeber wolle darlegen, dass es "diesen Widerspruch gar nicht gibt".
Und so entpuppt sich Wimmers als ein Philosoph, der sich für die Mode-Themen Achtsamkeit und Zen zwar interessiert; sie aber auch ordentlich gegen den Strich bürstet. Wimmers weigert sich, auf jener "Mindfulness-Welle" zu reiten, die seiner Meinung nach eine irrtümliche "Geisteshaltung der Achtsamkeit" verbreitet.
Der Begriff der Achtsamkeit wurde seiner rationalen Seite beraubt, indem er aus dem Kontext des Buddhismus herausgelöst wurde, ist Jens Wimmers überzeugt. Wer glaubt, dass im Zen-Buddhismus dem Nicht-Denken der Vorzug gegeben werde, den ermuntert er zum Umdenken. "Mein Interesse ist philosophisch", sagt der 46-Jährige und nimmt seine Schüler und Leser mit auf einen Weg, der zuerst den Spuren von Hans im Glück folgt. Dann zu der Achtsamkeitslehre des Zen-Meisters Linji übergeht. Und schließlich bei den Geheimnissen der Lebenskunst ankommt, indem er den Hans der Brüder Grimm und den chinesischen Abt Linji zusammenbringt. Sie stellen die sich gegenseitig erweiternden Funktionen der Vernunft und des Seelenfriedens dar.
Jens Wimmers ist überzeugt, dass erst ein "vernetztes Denken" befähigt, jene Lebenskunst zu praktizieren, die den Lebenssinn und das Glücklich-Sein zusammenbringen.
"Linjis Weg zum Glück" ist ein Ratgeber, der zeigt, dass die Wahrnehmung der Umwelt maßgeblich darüber entscheidet, ob wir glücklich werden. Zugleich ist das Büchlein aber auch eine sorgfältige Einführung in die Philosophie. Es stellt Methoden vor. Zeigt beispielsweise, was Begründungen mit Absichten und Taten zu tun haben. Begründen, lehrt Wimmers, heißt "aktiv überlegen", wie Absicht und Tat zusammenhängen.
Auf dem Weg Linjis werden Achtsamkeit und Denken nicht gegeneinander ausgespielt. Sondern zum "achtsamen Denken" vereint. Durch seine Lese- und Lehr-Erfahrung sei ihm deutlich geworden, "dass über das Denken ein Bewusstseinswandel passieren kann", erzählt Wimmers.
Wer das Philosophieren üben will, dem rät er, sich zumindest anfangs einem Lehrer oder einer Gruppe anzuschließen. Deshalb habe er auch das Philosophische Nachtcafé in Forchheim gegründet. Irgendwann könne dann jeder für sich philosophieren. Das sei "wie meditieren", sagt Wimmers: "Wer liest, ohne zu kritisieren und dadurch noch nicht weiß, wo er hinwill, der fängt an, mit sich selbst in den Dialog zu treten."