30 Jahre Bamberger Kurzfilmtage: Das ist weite Welt. Aber auch das Leben vor Ort. Unter den zahlreichen Filmrollen, welche noch bis Sonntag zu sehen sind, dürfen die Regionalfilme nicht fehlen. Sechs Filmemacherinnen und Regisseure haben für dieses Jahr in und um Oberfranken gedreht.

"Das waren zähe Momente, in denen ich immer wieder dachte: Geht das noch vorwärts?" Mirjam Stumpf aus Forchheim hatte sich an einen Dokumentarfilm gewagt. Der Streifen "Wer sind wir?" handelt von einem integrativen Theaterstück mit Geflüchteten in Bamberg. Die junge Filmemacherin und angehende Redakteurin hat ihn in Zusammenarbeit mit Therese Frosch erstellt: "Ich habe gesagt: Wenn du dein erstes Theaterprojekt machst, mache ich mein erstes Filmprojekt."

Mit der Kamera in der Hand fängt sie in 19 Minuten ein, wie die Probezeit an den Berufsschulen II und III laufen. Gut ein Jahr dauerten Aufnahmen, Schnitt und Komposition. Man sieht, wie sich die jungen Menschen mit ihrer Fluchterfahrung auseinandersetzen und ihre eigene Rolle finden. Der zweite Teil zeigt den Ernstfall: Die erste Aufführung mit aufgeregten Darstellern. Am Ende hat sich all die Mühe gelohnt. Unter Beifall bekommt das Kollektiv einen Preis überreicht. Der Film sahnte bereits beim oberfränkischen Jugendfilmfestival eine Auszeichnung als "Bester Dokumentarfilm ab.

"Mir ist es wichtig zu zeigen, was den Teilnehmern am Projekt wichtig war und was sie persönlich daraus mitgenommen haben", erklärt die 26-Jährige ihre Idee hinter dem Film. Ihre Motivation für neue Filmprojekte sei seitdem noch gestiegen: "Ich hoffe, ich kann im Rahmen meiner journalistischen Arbeit neue Filmprojekte aufgreifen."

Und wie sieht die Zukunft und Integration der Filmdarsteller aus? Das bleibt offen. Stumpf ist zuversichtlich: "Das Ende bringt einen schönen Selbstbewusstseinsschub mit sich."

Integration meistern und eine neue Sprache finden. Damit kennt sich Siamak Parsa gut aus. Der 36-jährige Filmemacher stammt aus dem Iran und hat schon mit Anfang 20 ein Filmstudium an einer privaten Uni in Teheran absolviert. "Da habe ich in jedem Semester Filme gedreht", erzählt er. Seine Leidenschaft endete abrupt: Parsa musste fliehen. Er hatte sich zu kritisch zur Politik in seinem Heimatland geäußert und beantragte in Deutschland erfolgreich Asyl. Seit 2011 ist er nun in der Stadt und versucht sich an neuen Filmideen. 2013 war er bereits das erste Mal bei den Kurzfilmtagen mit einem Film über Geflüchtete, welche in Roßdorf am Forst lebten, dabei. In diesem Jahr legt er mit "I've to tell you something" nach. In dem achtminütigen Streifen sind ein junger Mann und eine junge Frau zusehen. Sie spielt ihm mit einer Geige ein Stück vor. "Es wird wenig gesprochen. Die Kommunikation findet auf einer anderen Ebene statt", erklärt Parsa. Der Drehort ist das Krackhardthaus am Maxplatz.

Mit der Violinistin Rebekka Wagner und dem Schauspieler Peter Florian Berndt ist er gut befreundet. Der Kurzfilm sei angelehnt an eine Begegnung, welche der junge Johann Sebastian Bach erlebte, als er mit einem Freund um die Häuser zog. Nur das es damals ein Klavierstück war. "Ich musste hier in Deutschland eine neue Sprache lernen. Aber ich habe gemerkt, dass der Film meine neue Sprache ist. Damit kann ich mich am besten verständigen", findet der Filmemacher.

Begegnung mit Werner Kohn

Seine Inspiration ist aber nicht nur die malerische Kulisse in Bamberg: Seit fünf Jahren arbeitet Siamak Parsa in einer Weinstube, wo er in Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen Ideen sammelt. Dort lernte er auch den Fotografen Werner Kohn kennen: "Er ist ein großartiger Mensch und Filmemacher, der sehr offen ist für neue Filmstile."

Die Bedingungen in Bamberg, Filme zu machen, seien jedoch schwierig: "Es gibt nicht viele Leute in dieser Branche, die über die entsprechende Technik verfügen." Auch die Finanzierung gestalte sich schwierig. Das Kurzfilmfestival selbst habe ebenso zu kämpfen: Die städtische Unterstützung gerade mit Blick auf Räume lasse nach: "Ich wundere mich, dass hier nicht mehr passiert. Die Kurzfilmtage sind ein wichtiger Teil der Bamberger Kultur." Trotz aller Widrigkeiten will Parsa Bamberg treu bleiben. Denn er schätzt das Engagement sehr: "Die Ehrenamtlichen stecken so viel Zeit in das Projekt. Das ist wie eine große Familie."