Ganze Berufszweige leiden: Das ist nicht nur eine Folge moderner Zeiten, wenn wir über das "Internet der Dinge" oder Produkte aus dem 3-D-Drucker reden. Auch im 16. Jahrhundert führten Handwerker Klage darüber, dass die neuen Zeiten ihnen ihr Auskommen genommen hätten. Vor allem die Künstler waren betroffen: Die katholische Kirche hatte ihre Gotteshäuser und Bischofssitze noch prächtig ausgeschmückt. Bei den Lutheranern war diese Opulenz verpönt - und Kunsthandwerker, die aufwendige Altäre schnitzen oder goldene Geräte herstellten, hatten plötzlich keine Aufträge mehr. Veit Stoß' Bamberger Altar zum Beispiel war für das Karmeliterkloster in Nürnberg bestimmt und noch nicht bezahlt, als das Kloster aufgelöst wurde. Die Stadt Nürnberg als Rechtsnachfolger des Klosters wollte den Altar nicht haben und schon gar nicht den Rest der 400 Gulden bezahlen. Erst die Erben von Veit Stoß konnten den Rechtsstreit lösen und den Altar 1543 nach Bamberg verkaufen.
Viele Künstler und Kunsthandwerker orientierten sich um: In der Landesausstellung genannt wird als Beispiel der Altarschnitzer Friedrich Hagenauer, der sich auf geschnitzte und gegossene Bild-Medaillen spezialisierte. Auftraggeber für seine Portraits waren Adelige und reiche Bürger. Seine Kundschaft fand er als wandernder Handwerker. Seine Ortswechsel waren dem Umstand geschuldet, dass er in den jeweiligen Städten nur eine endliche Zahl möglicher Kunden für seine Portraits fand, und der Tatsache, dass er als freier Künstler den immer noch marktbeherrschenden Zünften ein Dorn im Auge war. Sein Streit mit den Augsburger Zunftmeistern ist überliefert und im Katalog der Landesausstellung anschaulich dargestellt.
Gleichzeitig aber entwickelte die Kunst neue Sichtweisen. Albrecht Dürer tat sich hier hervor: "Als Anleitung für angehende Künstler und Kunsthandwerker verfasste Dürer das erste deutschsprachige Lehrbuch der exakten mathematischen und geometrischen Grundlagen der Kunst", heißt es im Katalog; das Werk erschien 1525.
Lorenz Stoer war ein Künstler, der diese Anweisungen in Vorlagen umsetzte. Möglicherwiese dienten sie als Vorlage für Möbelornamente, sagt Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg. Aus deren Bestand stammten die beiden Blätter von Stoer, die abwechselnd in der Landesausstellung zu sehen sind. Weil die alten Grafiken, Urkunden und Drucke so empfindlich sind, dürfen sie nicht zu lange dem Licht ausgesetzt sein. "Aus Ruinen, Rollwerkgerüsten und geometrischen Körpern" (Katalog) konstruierte Stoer Landschaften. Der Künstler war zwischen 1555 und 1599 in Augsburg und Nürnberg tätig. sb