Erlangen — Neue Erkenntnisse aus der Forschung schnell Patienten zugutekommen zu lassen, das ist das erklärte Ziel der Ärzte des Universitätsklinikums Erlangen. "In Deutschland ist es uns allerdings nicht möglich, Menschen mit Epilepsien mit neuen Medikamenten zu versorgen", bemängelt Prof. Dr. Hajo Hamer, Sprecher des Epilepsiezentrums der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen, in einer Pressemitteilung. "Von genau diesen Arzneimitteln profitieren aber Patienten im restlichen Europa."
Der Grund für die ungleiche Versorgungslage ist das deutsche Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG): Es verpflichtet den Hersteller dazu, nachzuweisen, dass sein neues Medikament besser ist als bereits verfügbare Standardtherapien für denselben Anwendungsbereich. Die Arznei muss also einen sogenannten Zusatznutzen haben, sonst wird sie nicht zugelassen.

Es gibt keine Standardtherapie

"Der Grundgedanke hinter dem Gesetz ist gut, aber an der Art und Weise, wie es angewendet wird, scheitern bislang alle Epilepsiemedikamente", erläutert Hamer. "Deswegen fordern wir eine Reform des AMNOG und bitten dafür um Unterstützung bei unserer Online-Petition." Unterzeichnen kann jeder deutsche Bundesbürger: Sobald 50 000 Unterschriften vorliegen, kann der Antrag offiziell beim Deutschen Bundestag eingereicht werden.
Für Epilepsien gibt es keine Standardtherapien. Jeder Patient reagiert unterschiedlich auf die Behandlung, auch wenn die gleiche Form der Erkrankung vorliegt. "Während wir dem einen Patienten mit einer bestimmten Arznei helfen können, bleibt sie beim anderen wirkungslos", veranschaulicht Hamer die Schwierigkeit. "Der Betroffene gilt dann als therapieresistent."
Von den rund 500 000 Menschen in Deutschland, die an einer Epilepsie erkrankt sind, gilt rund ein Drittel als therapieresistent. Das heißt, dass aktuell mehr als 150 000 Patienten unter den für die Krankheit typischen Anfällen leiden und bislang nicht davon befreit werden können. "Die Betroffenen benötigen dringend neue Medikamente", fordert Hajo Hamer, der die Petition als Zweiter Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie begleitet hat.
Der Link zur Petition 58646 "Arzneimittelwesen - Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG)" lautet: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_04/_29/Petition_58646.nc.$$$.a.u.html. red