"Der eine sieht nur Bäume, Probleme dicht an dicht, der andere Zwischenräume und das Licht": Ein Zitat von E. Matani hängt am Schrank im Büro von Nikolas Auer, und es steht für das Motto und die Arbeit des 32-Jährigen. Seit Oktober 2017 ist der Psychologe in der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Caritas im Haus der kirchlichen Dienste tätig. Zum 1. März hat er die Leitung übernommen, nachdem deren bisheriger Leiter, Albert Kempf, nach über 30 Jahren Tätigkeit als Psychologe in den Ruhestand gegangen ist.

Seit 1. März ist auch Michelle Breuer neu als Psychologin in der Erziehungsberatungsstelle tätig. Während ihres Studiums in Düsseldorf arbeitete sie in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz mit dem Schwerpunkt Diagnostik. Nach ihrem Studium war sie vier Jahre für eine Krebsberatungsstelle tätig und unterstützte dort Betroffene sowie Angehörige. "Ich finde meine neue Tätigkeit hier in Lichtenfels sehr spannend, da sie sehr vielfältig ist", sagt sie.

590 Fälle, in denen Menschen Hilfe in verschiedensten Fragen suchten, verzeichnete die Caritas-Beratungsstelle 2018. Damit hat die Zahl gegenüber 2017 um 13 Fälle leicht zugenommen. 1483 Personen waren dabei insgesamt involviert. Die Beratungsstelle bietet ein breites Spektrum an Angeboten: Erziehungs-, Trennungs- und Scheidungsberatung, psychologische Diagnostik (Dyskalkulie, Legasthenie, ADHS, affektive Probleme), Beratung bei Schul- und Ausbildungsproblemen, bei Auffälligkeiten in der frühkindlichen Entwicklung, bei Entwicklungsauffälligkeiten, bei Problemen im Sozialverhalten und bei belastenden Lebensereignissen wie Trauerfällen.

Vertraulich und kostenfrei

Trauerbegleitung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist ein Thema, auf das sich Nikolas Auer besonders spezialisiert hat. Die Beratungen der Caritas-Beratungsstelle sind vertraulich, freiwillig und kostenfrei. Gruppenangebote der Beratungsstelle sind "Babymassage", das Sozialkompetenz-Training "Fit fürs Leben", die Trennungs- und Scheidungskinder- und -eltern-Gruppe, Wendo für Mädchen, das Elterntraining "ADHS", und das Elternkompetenztraining "Starke Eltern - Starke Kinder". Die Beratungsstelle in Lichtenfels kooperiert mit vielen weiteren Institutionen, wie beispielsweise Schulen, Kliniken und Ärzten, um so ein bestmögliches Angebot für die jeweiligen Betroffenen zu gestalten.

In naher Zukunft möchte Michelle Breuer das bestehende Gruppenangebot ergänzen und ein eigenes gestalten, wie zum Beispiel junge Erwachsene im Übergang zur Ausbildung bzw. Studium zu begleiten und richtig darauf vorzubereiten. Als eines der aktuellsten Themen sehen die beiden Psychologen die "Medien", gerade in Bezug auf den Konsum sowie ein zunehmendes Suchtpotenzial von Kindern und Jugendlichen. "Wichtig ist es, die Eltern zu informieren: Geachtet werden sollte auf die Medieninhalte und ob diese altersgerecht sind sowie auf die Mediennutzungszeit", sagt Michelle Breuer

Kürzlich startete die Beratungsstelle eine Kooperation mit der Suchtklinik in Hochstadt am Main. Einmal im Monat findet innerhalb der Klinik eine Sprechstunde für Erziehungsberatung statt. Zudem ist ein "Elterntalk" in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus in Michelau und dem Sachgebiet Jugend und Familie geplant, lässt Nikolas Auer wissen. Damit soll den Eltern die Möglichkeit gegeben werden, sich in Gesprächsrunden zu diskutieren.

Weiterhin besteht das Angebot zur Prävention von sexueller Gewalt. Mit dem Theaterstück "Mrs. Murr und ihre Katzen" soll die Thematik kind- und altersgerecht für die zweiten bis vierten Klassen dargestellt werden, erläutern die Psychologen. Nach der Aufführung des Stücks bereitet das Team der Beratungsstelle in Kooperation mit anderen Einrichtungen das Thema nach, um den Kindern wichtige Fähigkeiten zu vermitteln: Wie kann ich mich vor Grenzverletzungen und Gewalt schützen? Wie kann ich mir und anderen helfen?

Wichtiger Stützpunkt

In den 30 Jahren ihres Bestehens hat sich die Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern zu einem wichtigen Stützpunkt psychosozialer Arbeit im Landkreis entwickelt, stellt Nikolas Auer fest: "Ich konnte bereits auf ein großartiges Repertoire zurückgreifen, das personell und fachlich gut aufgestellt ist, seitdem ich als Psychologe und nun auch als Leiter der Beratungsstelle tätig bin."

Ihm und seiner neuen Kollegen ist es ein Herzensanliegen, den guten Ruf aufrechtzuerhalten sowie die Tradition der Beratungsstelle mindestens so erfolgreich fortzuführen, um so für die Bürger im Landkreis Lichtenfels da zu sein, die Hilfe und Beratung in verschiedensten Situationen und Problemlagen suchen. "Besonders wichtig ist dabei, dass die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen bestehen bleibt und nach Möglichkeit ausgebaut wird, und dass wir als Unterstützer wahrgenommen werden", meint Nikolas Auer.

Michelle Breuer wünscht sich für die Zukunft: "Es ist wichtig, dass wir flexibel auf neue Entwicklungen reagieren und unser Angebot dementsprechend anpassen. Das sehe ich als wichtige Herausforderung für uns als Team sowie für mich als Beraterin."

Persönliche Herausforderung

Der neue Leiter der Beratungsstelle sieht es "als persönliche Herausforderung, mich selbst ständig mit den Veränderungen und dem gesellschaftlichen und technischen Wandel weiterzuentwickeln".

"Besonders relevant ist dies natürlich in der täglichen Arbeit mit den Klienten und auch in Bezug auf die unterschiedlichen Kooperationen und institutionellen Vernetzungen", sagt Nikolas Auer.