Dominic Buckreus

Diese Kreisliga-Saison würde der FC Kronach am liebsten aus seiner ruhmreichen Historie streichen. 19 Niederlagen, darunter etliche Klatschen. Am Ende der Spielzeit standen 97 Gegentreffer in 30 Spielen auf dem Konto des einstigen Bayernligisten. Es folgte der Absturz in die Kreisklasse.
"Es war wie ein Wellental", beschreibt der kommissarische Vorsitzende Stefan Lach den Saisonverlauf. Einerseits bezwangen die Kronacher den späteren Meister Kleintettau an der heimischen Hammermühle und anschließend den TSV Weißenbrunn jeweils mit 1:0. Andererseits gingen sie gleich siebenmal mit mindestens fünf Toren Differenz unter.
Der Hauptgrund ist für die Verantwortlichen klar: Der zu dünn besetzte Kader. "Wenn mehrere Mann gefehlt haben, waren wir nicht in der Lage, das aufzufangen. Der Kader war einfach nicht breit genug und dann ist es klar, dass wir in so eine Situation kommen", erklärt Lach.
Der negative Höhepunkt war die Absage des Nachholspiels in Burgkunstadt Mitte April. Gerade hatte sich die Mannschaft nach zwei Remis und dem wichtigen Dreier bei Schlusslicht SG Roth-Main wieder etwas gefangen, musste sie so den nächsten Rückschlag im Abstiegskampf einstecken. Acht Stammspieler fielen an diesem Freitagabend verletzt oder aus beruflichen Gründen aus.
Schon damals sprach Lach von einem "Loch " zwischen der Jugend und der ersten Mannschaft. Jahrelang kamen kaum Talente nach. Dazu verließen in den vergangenen Spielzeiten einige Leistungsträger den Verein, in der Winterpause kehrten zudem auch Michael Hoderlein (zum SV Steinwiesen) und Alexander Traut (zum SSV Ober-/Unterlangenstadt) dem FCK den Rücken.


Sünkel: "Trainer war ärmste Sau"

Auch Kapitän Christopher Sünkel hattte 2014 den Verein verlassen, bevor er sich vor zwei Jahren wieder den Kronachern anschloss. Er kennt den Verein in- auswendig und bestätigt den personellen Aderlass als einen der Gründe für den schleichenden Niedergang. Für die aktuelle Misere führt er aber weitere Ursachen an. "Das Problem war, das sich bei manchen während der Saison die Prioritäten verschoben haben", sagt Sünkel. "Man plant eine Saison mit 18 Leuten, aber dann sind viele weggebrochen, die aufgehört haben oder keine Zeit mehr hatten. Das macht sich dann bemerkbar."
So etwa auch im Training, an dem gerade mal vier Leute regelmäßig teilgenommen hätten. "Das macht sich dann auch bei der Kondition im Spiel bemerkbar. Der Trainer ist die ärmste Sau gewesen. Er konnte ja nichts wirklich einstudieren."


Kein Aufbäumen im Frühling

Es verwundert also nicht, dass es dem FCK vor allem in der Defensive an der nötigen Stabilität fehlte, um im Abstiegskampf zu bestehen. Der Absturz in die Kreisklasse war aber auch Kopfsache, stellt der Kapitän fest: "Es mangelte bei uns einfach an Leuten, die wirklich motiviert bei der Sache sind." Gerade nach der Winterpause hat sich der 28-Jährige eine Reaktion von der Mannschaft erhofft. "Das ist schon ein bisschen schade, dass viele das nicht gemacht haben, auch dem Trainer gegenüber. Generell kann man aber keinem einen Vorwurf machen. Die Freizeitgestaltung ist ja jedem selbst überlassen, aber Fußball ist eben ein Mannschaftssport."
Trotz der vielen Rückschläge und Ärgernisse in der vergangenen Saison blickt man beim FC Kronach aber positiv in die Zukunft. Vom sofortigen Wiederaufstieg redet an der Hammermühle aber keiner. "Da müssen wir uns erstmal zurücknehmen und abwarten, wie der Kader aussehen wird. Der Vorstand arbeitet schon mit Hochdruck an einer schlagkräftigen Truppe", sagt Sünkel.
Diese soll in der derzeitigen Form auch in der Kreisklasse bestehen bleiben, sagt Vorsitzender Lach. Dazu erwartet er erste Erträge aus der erfolgreichen Jugendarbeit. So feierte die B-Jugend am Wochenende die Meisterschaft in der Kreisliga. "Fünf, sechs Jugendspieler kommen dieses Jahr dazu und in den nächsten Jahren ein richtiger Schwung, sofern alle im Verein bleiben." Das "Loch" soll sich also bald schließen.


Neuer Trainer im Anmarsch

Einen Nachfolger für den scheidenden Trainer Timo See, der dem Verein jedoch erhalten bleibt (wir berichteten), hat Lach ebenfalls schon gefunden: Mit Stefan Böhmer (41) kommt vom FC Mitwitz ein Debütant als Spielertrainer. Der langährige Bezirksliga-Spieler schoss in der diesjährigen Kreisliga-Saison elf Tore in 22 Spielen für die Mitwitzer "Zweite".
Mit potenziellen Neuzugängen befindet sich der kommissarische Vorsitzende noch in Gesprächen. Fix ist bereits der Transfer von Pascal Theuermeister. Der 22-Jährige kommt vom A-Klassisten ATSV Thonberg. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr eine gute Rolle spielen und uns konsolidieren, um in ein, zwei Jahren wieder nach oben zu schauen", sagt er. "Ich hoffe, dass ist jetzt der absolute Tiefpunkt für die erste Mannschaft - nicht für den FC Kronach. Der steht insgesamt gut da", betont Lach.
Auch mit der zweiten Mannschaft geht der FC Kronach neue Wege. Zur Saison 2018/19 wird die bisherige Spielgemeinschaft mit dem FC Gehülz aufgelöst. Dafür startet der Verein zusammen mit dem SV Seelach in der A-Klasse.