von unserem Mitarbeiter Reinhard Löwisch

Streitberg — Die Ruine Neideck, Wahrzeichen des Fränkische-Schweiz-Vereins und damit auch der gesamten Region, liegt sehr romantisch und unübersehbar in einer großen Kurve des Wiesenttales zwischen Muggendorf und Streitberg. Wegen der Lage und des Aussehens fand die Burgruine Eingang in die romantischen Beschreibungen des 19. Jahrhunderts. Die Neideck wird heute als Archäologiepark und Kulturstätte genutzt.
Ernst Moritz Arndt schrieb euphorisch auf seiner Reise durch die Fränkische Schweiz im Jahre 1798 in sein Tagebuch: "Neideck: Die schönsten Trümmer einer Burg, die ich bis jetzt auf teutschem Boden sah". Und weiter: " Tausend Schlösser mögen höher und lieblicher und weitaus sehender gelegen haben, wenige sicher so fest und so stattlich als dieses".
Joseph Heller, Verfasser des berühmten Reisehandbuches von 1829, nennt die Ruine "die schönste Zierde des Muggendorfer Thales" und Adalbert Küttlinger, Verfasser des Molke-Kurführers von 1856 schreibt über die Neideck: "Wer eine der Ruinen gesehen hat, den drängt es, auch andere anzusehen".

"Erworfen auf der Neideck"

Berühmt ist die Burganlage deshalb, weil hier der Stammsitz Konrads II. von Schlüsselberg war, dem zu Lebzeiten die halbe Fränkische Schweiz gehörte. Er wurde auf der Neideck durch ein Steingeschoss "erschlagen", berichten die Chronisten: "Item anno Domini 1347 an des hl. Kreuzes Tag, als es erhoben wurd, da ward der von Schlüsselberg erworfen auf Neideck". In Schlüsselau an der Außenmauer der ehemaligen Schlüsselbergischen Klosterkirche fand der erfolgreichste aber erbenlose Schlüsselberger seine letzte Ruhestätte.
Mit dem Tode des Burgbesitzers Konrad II. von Schlüsselberg ging die Anlage durch Verkauf in den Besitz der Bamberger Fürstbischöfe über. Einig sind sich die Sekundärquellen darüber, dass die Burg Neideck am 17. Mai 1553 geplündert, angezündet und im September des gleichen Jahres "geschleift" wurde. "Damit dass man sich mit keinem Geschütz darauf behelfen kann und weiter kein Unrat daraus entsteht", meinte der Erstürmer Sigmund von Wirsberg lapidar.
Markgraf Albrecht behauptete später, er habe "die Burg anzünden müssen", weil aus dem Schloss auf ihn geschossen worden sei, als er friedlich des Weges zog. Eine zynische Bemerkung wenn man bedenkt, dass dieser Herrscher fast das gesamte Hochstift Bamberg zwischen 1552 und 1554 in Schutt und Asche legte, um seinem Traum von einem großen Hohenzollerischen Herzogthum Franken zu verwirklichen.

Im Besitz des Landkreises

Die Ruine Neideck gehört dem Landkreis Forchheim. Damit ist Kulturreferent Anton Eckert dort zuständig. 1996 führte die Behörde umfassende Sanierungsmaßnahmen an der gesamten Anlage durch. Zum ersten Mal in der Burggeschichte feierte man dort 1997 das Jubiläumsjahr "650 Jahre Tod des letzten Schlüsselbergers" in Erinnerung an Konrad II. Es gab Theateraufführungen des eigens gegründeten Neideck-Ensembles, Ritterlager und vieles mehr.
In den Folgejahren wurde die Ruine ausführlich archäologisch erforscht. Das Ergebnis: Die Burganlage war in ihrer Blütezeit eine der größten Anlagen weit und breit. Ausmaße von 400 mal 200 Meter wurden dokumentiert.
Eine weitere Folge der Ausgrabungen war der Archäologiepark, der seit dem Sommer 2008 viel über die Geschichte der Burgen und der Neideck erzählt und der es erstmals ermöglicht, den Turm, das Wahrzeichen der Region, über ein massives Treppengerüst zu besteigen, um von ganz oben einen sagenhaft schönen Rundumblick und hinunter in das Wiesenttal zu genießen. Heute ist die Neideck Höhepunkt und Schnittstelle zahlreicher Wanderwege, die hier vorbeiführen. In lauen Sommernächten finden weiterhin Konzerte, Vorlesungen und Theateraufführungen statt.