Zwölf begeisterte Aktive vom Verein "Energiewende ER(H)langen" unternahmen unlängst eine Fahrrad-Exkursion von Erlangen nach Hallerndorf, um das moderne Nahwärme-Konzept vor Ort kennenzulernen. An der dortigen Wärmezentrale wurden die Teilnehmer von Mitarbeitern der Naturstrom AG, dem Betreiber des Nahwärmenetzes, ausführlich über die Planung und Umsetzung des Projektes informiert.
Bis vor zwei Jahren war es in Hallerndorf nicht anders als in vielen anderen Gemeinden in Bayern: Über 80 Prozent der Häuser wurden mit Öl beheizt, davon waren rund 60 Prozent dieser Ölheizungen 15 Jahre und älter. Das hat sich in Hallerndorf seit Ende 2016 gründlich geändert.
Auf Initiative von engagierten Bürgern und vom Bürgermeister sowie mit Unterstützung der Naturstrom AG als regionaler Stromanbieter wurde dort vor zwei Jahren eine moderne Heizzentrale errichtet. Kernstück davon ist Bayerns größte Solarthermie-Anlage mit 1304 Quadratmetern. Die Fläche der hocheffizienten Vakuum-Thermopanele entspricht damit etwa dem Fünftel eines Fußballfelds.
Insbesondere im Winterhalbjahr wird die Wärmeerzeugung zusätzlich unterstützt durch fünf Heizöfen, die mit Hackschnitzeln aus den umliegenden Wäldern befeuert werden. Letztlich steckt in diesem Holz ja auch gespeicherte Sonnenenergie, die durch nachhaltige Forst-Bewirtschaftung immer wieder nachwächst.


130 Haushalte sind das Ziel

Die Verteilung der Wärme zu den Haushalten in Hallerndorf erfolgt über ein Nahwärmenetz mit einer Gesamtlänge von rund 4,5 Kilometern. Zurzeit sind 65 Häuser angeschlossen, und zwar sowohl Häuser im Bestand als auch Neubauten. Ziel ist es, etwa 130 Haushalte mit umweltfreundlicher Wärme zu versorgen. Mehr als zwei Millionen Kilowattstunden Wärme können so pro Jahr erzeugt werden, wodurch in Hallerndorf jedes Jahr rund 300 000 Liter Heizöl eingespart werden.
Vorteile für die Anschlussnehmer am Nahwärmenetz sind unter anderem die komplette Einsparung von Wartungs- und Verschleiß-Kosten einer eigenen Heizung einschließlich der Kosten für den Schornsteinfeger und ein Zugewinn an Platz im Keller. Zudem sind die Kosten pro Kilowattstunde Energie aus dem Nahwärmenetz geringer als von einer Ölheizung.
Das Nahwärmenetz, das 2017 vom Rat für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet wurde, trägt somit maßgeblich zum Aufbau einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Energieversorgung jenseits fossiler Brennstoffe bei. Rudi Ackermann