Etwas überrascht war Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) schon, als ihm die beiden Nackendorfer Vertreter Robert Dorsch (53) und Bernd Langgut (41) eine Unterschriftenliste gegen das geplante Gewerbegebiet in Nackendorf vorlegten. Der Termin für ein Treffen stand zwar fest, aber dass auch die Presse anwesend war, war ihm neu. "Es ist eigentlich üblich, dass ihr das ankündigt", meinte er. Aber wer ein echter Bürgermeister ist, steht über solchen Dingen.
Die Nackendorfer legten ihm eine Liste vor, die zeigte, dass 90 Prozent der unterschriftsberechtigten Bürger ihre Unterschrift gegen die Entstehung dieses Gewerbegebietes abgegeben hatten. Zehn Prozent hatten sich enthalten, da sie als Grundstückseigner befangen sind.
Die Eigentümerin des größten Grundstückes würde viel lieber dort einen Solarpark errichten und hierfür wäre die Dorfgemeinschaft auch aufgeschlossen. Ein Solarpark sehe zwar nicht besonders schön aus, aber er mache keinen Lärm, stinke nicht und verursache vor allem keinen Ärger. Für den Bürgermeister sei aber ein Gewerbegebiet wichtiger als ein Solarpark - so die Meinung der besorgten Nackendorfer. Sollte die Ansiedelung des Edeka-Logistikzentrums mit "lebensmittelverarbeitendem Betrieb" nicht im Aischpark in Höchstadt zustandekommen, befürchte man, dass dieses in Nackendorf angesiedelt werde.
Das gesamte geplante Gewerbegebiet sei fast doppelt so groß wie der Ortsteil. Es liege im Norden der Gemeinde, nicht im Westen in Richtung Autobahn/Mühlhausen - somit mitten in der Flur.
Da frage man sich nicht nur als Anwohner, ob denn die Natur bzw. die Heimat überhaupt nichts mehr Wert sei. Es werde eine Unmenge an Land versiegelt bzw. Wald gerodet, so die beiden Nackendorfer. Die Frage tauchte auf, ob nicht bereits versiegelte Flächen, wie beispielsweise das verlassene Gelände der Firma Meinhardt in Höchstadt, wieder vorrangig reaktiviert werden könnten.
Der Großteil der Bevölkerung in Nackendorf möchte einfach gerne, dass das Dorf ein Dorf bleibt und Heimat und Flur so bleiben, wie sie sind.
Brehm hörte sich die Probleme gelassen an und betonte, dass doch im vergangenen Herbst, genauer am 18. Oktober bei der Bürgerversammlung in Nackendorf, der Flächennutzungsplan für die nächsten 20 bis 25 Jahre vorgestellt worden sei. Damals habe es wenige kritische Stimmen gegeben. Ob es in zehn oder 25 Jahren realisiert werde, sei eigentlich keine Zeitfrage.
Brehm verstand auch persönlich die Bedenken der kleinen Delegation, betonte aber, dass man sich zurzeit fast überall stets gegen alles wehren würde. "Jeder gegen jeden", meinte er. Es gelte aber nicht nur seine Stimme. Es sei ein Abwägungsprozess seitens des Stadtrats. Fazit ist nun: Die Nackendorfer sind gegen Edeka, gegen ein Gewerbegebiet, aber offen für einen Solarpark. Natürlich werde laut Brehm vorher alles vom Naturschutz und dem Wasserwirtschaftsamt geprüft.


Näher an Kläranlage

Die Nackendorfer wünschen sich, dass das Projekt näher an die Kläranlage soll, wo die nötige Infrastruktur vorhanden sei. Die Nähe zur Kläranlage sehe aber das Landratsamt und die Regierung kritisch wegen des dortigen Vogelschutzgebietes. Also brauche man einen Alternativstandort.
Falls kein anderer Gewerbestandort gefunden werde, müsste es dann doch Nackendorf sein. Brehm betonte noch einmal, dass Nackendorf nicht sein Wunschgebiet sei und er volles Verständnis für die Sorgen der Bürger habe. Als Solidargemeinschaft müsse man aber einsehen, dass die Stadt sich dahin orientiere, wo die Autobahn sei.
Die Delegation bat Brehm inständig darum, sie auf dem Laufenden zu halten. "Falls es keine andere Lösung gibt, sprechen wir gemeinsam durch, in welcher Form das angesprochene Projekt dann eventuell verwirklicht werden kann", so Brehm. "Ich lege natürlich euer Anliegen dem Stadtrat vor."