In alter Zeit war der Plantanz vor allem im Landkreis-Norden eine Selbstverständlichkeit. Erfreulicherweise wird auch heute noch mit großer Begeisterung in einigen Dörfern des Frankenwaldes dieser Brauch sehr intensiv und lebendig gepflegt. Bestes Beispiel dafür ist Neukenroth, das seit 1978 alljährlich im Oktober zu dieser Kerwa-Veranstaltung einlädt.

Dass der alte, schöne Brauch des "Planbeziehens" auch in der Kerngemeinde Stockheim gang und gäbe war, ist längst in Vergessenheit geraten. Ein uraltes Bild einer Kirchweihgesellschaft aus dem Jahre 1913 - von Wolfgang Sikora aus Kronach zur Verfügung gestellt - erinnert an dieses Ritual. Beim Blättern alter Zeitungsbände ergaben sich interessante Details zur Stockheimer Kirchweih.

Dazu eine Zeitungsnotiz aus "Fränkischer Wald" vom 22. Juli 1913: "Laut Regierungsentschließung findet wieder - wie früher - die Kirchweih am 27. und 28. Juli statt. 28 Jahre sind es, daß sie das letzte Mal an diesen Tagen gefeiert wurde und zugleich das letzte Mal der Plan bezogen wurde. In Erinnerung an diese längst vergangene Zeit hat sich, wie man hört, auch in Stockheim eine Schar junge Burschen und Mädchen zusammengetan, um ihre Kirchweih wieder richtig in bäuerischer Tracht mit Plantanz zu feiern. Und zwar findet der Plantanz wie früher auf dem sogenannten Marktplatz statt."

Weitere aufschlussreiche Hinweise findet man in Anzeigen von 1921 und 1924. So wurde 1921 das Kirchweihprogramm am Samstag von 20 bis 22 Uhr mit Ständchen eingeleitet. Am Sonntag wurden die Festteilnehmer um 13 Uhr zum Plan abgeholt und um 15.30 Uhr traf man sich bei den Gastwirten Vogel und Schwalb.

Am Montag ging es dann nochmals hoch her. Bereits um 8 Uhr wurden Ständchen geboten und gegen 14 Uhr am Nachmittag ging es erneut in den Plan. Ab 16 Uhr wurde in zwei Sälen getanzt. Das Stadtorchester Kronach sorgte für zünftige Unterhaltung.

Zum Kreis der Teilnehmer zählten in den 20er-Jahren Emma Hopf (geborene Bauersachs), Anna Bernschneider, Erhard Dauer, Johann Renk, Hans Bernschneider, Agnes Bernschneider, Johanna Zapf, Barbara Hempfling (geb. Thieg), Gretel Morand, Karl Heinlein, Georg Herbst, Karl Zapf, Hans Hack, Kunigunda Nickol, Gretel Grobeis und Rosa Wagner.

Dieses fröhliche Treiben währte im oberen Dorf von Stockheim nur einige Jahre. Der wirtschaftliche Niedergang von Glasfabrik und Bergbau sorgten für ein vorzeitiges Ende. Erst 1935 besann man sich erneut an die alte Tradition.

Dazu die Zeitungsmeldung: "Die Stockheimer Kirchweih wurde heuer nach langjähriger Pause wieder einmal nach der alten, schönen Sitte von den Planburschen und -mädchen durchgeführt und es waren zwei Tage in lustiger Fröhlichkeit. Der Besuch war befriedigend. Auch das von der Schützengesellschaft veranstaltete Kirchweih-Schießen war gut besucht."

Karl Räther erinnert sich

Der Junggesellenverein marschierte damals vom Bahnhof zur "Hitlerlinde" in der Nähe des Anwesens Schröder. TSV-Ehrenvorsitzender Karl Räther erinnert sich noch genau an dieses Spektakel. Damals durfte er mit zehn Jahren ein Täfelchen tragen. Mit den Kriegsjahren war es dann vorerst mit diesem Brauch vorbei.

1946 und 1947 zogen die Stockheimer letztmals in den Plan. Die Kellner Erich Scheler und Karl Heinlein sorgten für die nötige Stimmung. Und den Planboden lieferte die Firma Stegner. Humoristische Einlagen mit deftigen Reden gaben Konrad Lang und Karl Heinlein. Den Reinerlös aus dem fröhlichen Treiben überreichte man Bürgermeister Johann Wagner für die "Schulspeisung".

Zu den Teilnehmern zählten nach Kriegsende Karl Heinlein, Josef Gänslein, Peter Renk, Marga Lang, Agnes Buckreus, Katharina Wilhelm, Rosa Lang, Horst Götz, Gertrud Detsch, Erich Scheler, Resi Weißerth, Maria Rebhan, Karl Wilhelm, Maria Jakob und Rudolf Schmitt.