Veronika Schadeck Seit am Freitag vor einer Woche im Haus der Familie Kießlinger in Tettau ein Brand ausgebrochen ist, hat sich das Leben von Birgit Kießlinger verändert. Sie und ihre Familie erlitten bei dem Unglück Rauchgasvergiftungen. Eine Katze überlebte das Feuer nicht, eine andere erlitt schwere Verletzungen (der FT berichtete). Die Familie wurde mittlerweile im Pfarrhaus untergebracht. Nun ruft der Markt Tettau zu einer Spendenaktion auf.

Es ist Samstagvormittag. Männer der Freiwilligen Feuerwehr Tettau bringen Möbel in die ehemalige Pfarrwohnung. "So viel Hilfsbereitschaft haben wir erfahren", meint Birgit Kießlinger. Aufrichtige Dankbarkeit ist ihrer Stimme zu entnehmen.

Die Erinnerungen sind noch frisch. Der Freitag, 15. Februar, schien ein ganz gewöhnlicher Tag zu werden. Birgit Kießlinger hatte Spätschicht. Vormittags erledigte sie Hausarbeiten. Ihr Mann war im Bad, sie hatte im ersten Stock den Staubsauger in der Hand, wie sie sich erinnert. "Deshalb habe ich auch die Rauchmelder nicht gehört."

Als sie den Brand registrierte, ist sie sofort ins Erdgeschoss gerannt, die Tür zum Wohnzimmer hat sich aber auf Grund des Drucks nicht öffnen lassen. Im Nachhinein weiß sie, dass so sogar Schlimmeres verhindert wurde. Denn wären ihre Bemühungen erfolgreich gewesen, wären ihr die ganzen Flammen entgegengeschlagen.

Mittlerweile hat Birgit Kießlinger das ganze Ausmaß des Unglücks begriffen. Kein Zuhause mehr. Die Möbel und ihre neue Küche sind nicht mehr zu erkennen. Erinnerungsstücke wie Fotoalben und Bilder sind verbrannt. Die Trauer um ihre Katze bleibt.

Die Frau ist noch immer fassungslos, wie innerhalb von wenigen Minuten eine ganze Existenz vernichtet werden konnte. Sie spricht aber auch von Glück, denn es hätte noch schlimmer kommen können.

Große Dankbarkeit

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Auf der anderen Seite ist Zuversicht zu spüren. "Ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Hilfe bekommen, und das gibt Kraft!", sagt Birgit Kießlinger. In diesem Zusammenhang spricht sie von den Feuerwehren Tettau und Kleintettau, den Rettungskräften mit dem Arzt Michael Müller, von Bürgermeister Peter Ebertsch, der seine Putzkolonne schickte, um schnellstmöglich die Pfarrwohnung herzurichten, von der evangelischen Kirchengemeinde, den Nachbarn, Arbeitskollegen, ihrem Arbeitgeber, der Firma Heinz-Glas, und vielen mehr. Die 50-Jährige legt Wert darauf, sich in der Zeitung bei allen zu bedanken, die ihrer Familie in dieser schwierigen Situation helfen und geholfen haben. Sie ist trotz des Unglücks dankbar, dass sie und ihre Familie keine größeren Verletzungen erlitten haben und ihre Tochter den Sprung aus dem Fenster im ersten Stock überstanden hat.

"Ich habe so etwas in meinen 28 Jahren Dienstzeit noch nicht erlebt", erklärt Christian Wick. Binnen sieben Minuten seien die Feuerwehren Tettau und Kleintettau vor Ort gewesen. Neun Minuten nach der Alarmierung habe man in den Innenräumen den Brand bekämpft. Leider habe man nicht verhindern können, dass das Wohnhaus stark beschädigt wurde.

Wie es nun weitergeht mit der Familie Kießlinger, steht noch nicht fest. Sie will erst die abschließenden Berichte zur Brandursache abwarten und die Situation dann mit den Versicherungen klären. Wenn es irgendwie möglich ist, will die Familie ihr Zuhause neu aufbauen. Schließlich hat sie ihr Eigenheim erst vor zwölf Jahren erworben.

Auch Christian Wick, der als Koordinator und Ansprechpartner eingesetzt wurde, spricht von einer überwältigenden Hilfsbereitschaft. Er habe sogar Anrufe aus Mitwitz und dem Landkreis Coburg erhalten, meint er.

Und für Bürgermeister Peter Ebertsch ist klar, dass es richtig ist, wenn eine Gemeinde in ihre Feuerwehren investiert. Er war persönlich mit vor Ort und ist stolz auf die Wehren und die Rettungskräfte: "Ihnen gebührt mein Dank!" Und er fügt an: "Ich hätte nicht in dieses brennende Haus reingehen können!"

Gemeinde reagiert

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Der Bürgermeister hält kurz inne und meint, so schlimm es sei, wenn jemand Hab und Gut verliere, sei aber auch deutlich geworden: "Auch wenn es manchmal Differenzen gibt, in so einem Fall halten wir in der Gemeinde zusammen!" Und er fragt: "Ob es so etwas in einer großen Stadt auch gibt?"

Der Markt Tettau hat nun ein Spendenkonto für die Familie Kießlinger eingerichtet. Spenden können bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach, IBAN DE 17 7715 0000 0101 7030 56 eingezahlt werden.