Ekkehard Roepert

Karlheinz Schoofs freut sich über den "neuen Weg". Schon deshalb, "weil er mit Basisdemokratie zu tun hat", betont der Schulleiter des Ehrenbürg-Gymnasiums. Der Impuls, zum neunjährigen Gymnasium zurückzukehren, sei schließlich von der Elternschaft in Bayern ausgegangen, erinnert Karlheinz Schoofs. "Und die Arbeit, die wir damit haben, machen wir gern."
Die Vorteile des G9-Modells sind für den EGF-Chef unübersehbar: "Im neunjährigen Gymnasium haben wir Zeit, um schulische und außerschulische Aktivitäten zu koordinieren." Während der G8-Zeit beispielsweise sei es nicht einfach gewesen, ein berufsbildendes Praktikum zu organisieren, "weil die Woche in den Unterricht hineinspielt". Auch die Austauschfahrten nach Spanien, Polen oder Italien seien entspannter, "wenn sich der Stundenplan über neun Jahre erstreckt". Außerschulische Lernerfahrungen hätten nun wieder mehr Raum.
"Weil die Schüler die Reife brauchen", war auch Ingrid Käfferlein, die Leiterin des Herder-Gymnasiums, "von Anfang an begeistert von G9". Doch obwohl auch Jürgen Sauer, der stellvertretende Herder-Chef, die Nachteile des G8 zu Genüge erfahren hat, betont er: "Es gibt etwas zum Weitertragen". Von dem G8-Modell werde man das "Doppelstunden-Prinzip" beibehalten. Diese Rhythmisierung ermögliche eine prüfungsfreie Zeit. Das Herder wird also weiterhin den Pflichtunterricht auf Dienstag und Donnerstag, den Wahlunterricht auf Montag und Mittwoch legen, der Freitagnachmittag bleibt frei. Und "noch ein Positivum" hinterlasse G8, sagt Jürgen Sauer: "Die Intensivierungsstunden helfen, Inhalte zu vertiefen und Stunden aufzuholen."
Kein Nachmittagsunterricht in der Mittelstufe und generell "mehr Wahlfreiheit" - das ist Ingrid Käfferleins frohe Botschaft für die neue G9-Generation. Ein Wunsch bleibe allerdings offen: "Auch die Abiturienten sollten künftig größere Wahlfreiheit haben." Ohne das Niveau des Abschlusses zu senken, sollte beispielsweise darüber nachgedacht werden, "ob man in allen drei Abiturfächern eine schriftliche Prüfung machen muss", sagt die Herder-Chefin.


Keine vollgestopften Tage mehr

"Spannend ist es natürlich", sagt Karlheinz Schoofs - und meint die Lehrplanänderungen, die für die 8., 9. und 10. Klassen und für die Gestaltung des Abiturs erst noch anstünden. "Es ist noch ungewiss, wie weit die Reform in der Oberstufe gehen kann", sagt Schoofs. Er persönlich würde sich sogar eine Rückkehr zu den Leistungskursen wünschen.
Jedenfalls liege jetzt ein "stimmiges Paket" vor, sagt Erhard Herrmann, der Schulleiter des Gymnasiums Fränkische Schweiz in Ebermannstadt. Auch von Elternseiten habe er "nur Positives" gehört.
Als Modellschule in Bayern habe Ebermannstadt in den vergangenen Jahren schon erprobt, den Schülern länger Zeit zu geben: Die "Plus-Schüler" bekamen nach der Mittelstufe ein Jahr zusätzlich. Daher hat Erhard Herrmann den Kontrast zwischen G8 und G9 genau vor Augen: "Gerade für die Schüler in ländlichen Regionen bedeutet es eine große Entspannung. Sie müssen auf keine Züge und Busse warten und sind nachmittags zu Hause." Mehr Bewegung, mehr Sport, mehr Zeit für Außerschulisches - die Entlastung zugunsten einer "besseren Entwicklung der Jugendlichen" sei der ganz große Vorteil des G9, sagt Herrmann: "Die Nachmittage mussten bei G8 vollgestopft werden. Zehn Stunden Unterricht am Tag, das müssen wir jetzt niemanden mehr zumuten." Gleichzeitig wird in den Direktoraten aller drei Landkreis-Gymnasien betont, dass die "Überholspur" willkommen sei; also die Möglichkeit, weiterhin in acht Jahren das Gymnasium hinter sich bringen zu können. Zum Teil wollten die Schüler das. Schulleiter Herrmann sagt das nicht nur im Hinblick auf Hochbegabte, sondern etwa auch wegen der Option, in der 11. Klasse für ein Jahr ins Ausland zu gehen: "Im normalen G8 war das kaum möglich."
Gut organisierbar sei diese "Überholspur mit ihren zwei Geschwindigkeiten", meint Karlheinz Schoofs. Schon vor der gesetzlichen Rückkehr zu G9 habe er sich im Kollegium umgehört. Und 88 von 90 Lehrern hatten für das Wahl-G8 plädiert. Wobei momentan noch unklar sei, wer oder was künftig entscheidet, ob ein Schüler die Überholspur wählt: Der Wille der Eltern? Das Zeugnis?
"Das ist komplettes Neuland", sagt Jürgen Sauer. In jedem Fall sei die Überholspur dank des Mentoren- und Tutorensystems ein Gewinn. Wobei Ingrid Käfferlein glaubt, dass das Wahl-G8, was die Nachfrage betrifft, "nicht der große Renner werden wird".