Musikalische Verbindungen pflegt Kulmbach zu seinen Partnerstädten in erster Linie über die Blasmusik. Nun fand das aber eine Krönung im Konzertanten: Erstmals wirkten in der Reihe "Barockmusik in der Spitalkirche" Interpreten aus Lugo in der Emilia Romagna mit - und es wurde zu einem erlesenen Hörerlebnis.

Zusammen mit Talenten der Musikschule Kulmbach füllten sie das kleine Gotteshaus mit bekannten Weisen von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel bis zu Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Vivaldi. Die italienischen Gäste setzten da mit dem Kammerorchester der Musikschule Lugo und Solistenreichtum dichte Glanzpunkte.

Das Feuer des Südens

Wunderschön interpretiert "Canone" von Mozart in sonorem Tiefklang, der junge Mattia Ballanti wuchs mit seiner Querflöte in feiner Harmonie über sich hinaus. Unter der Leitung von Matteo Salerno vermochte das Ensemble stringent und in lichter Beredsamkeit vor allem in den Sonaten und im Duett von Flöte und Klavier zu überzeugen, das Orchester insgesamt erwies sich als homogener Klangkörper. Man spürte förmlich den Enthusiasmus und das Feuer südlicher Länder.

Der"Contradance" des Salzburger Genies gipfelte in wuchtigen Fanfarenrufen und eleganten, zarten Tonskalen. Die Besucher bejubelten das und lauschten ganz andächtig dem getragenen sakralen Tonfluss der "Suite für Orchester" im finalen Akt. Das Vororchester der Musikschule Kulmbach unter dem Dirigat von Hermann Weiß wusste mit einem machtvollen "Canon" von Johann Pachelbel eindrucksvoll den Auftakt zu inszenieren. Es folgten schöne melodische Einspielungen mit "Bourrée" aus der Wassermusik von Händel, Johanna Rossmeisl an der Querflöte zeigte sich stilsicher - genauso wie Anastasia Lehner (Violine), Theresa Griese und Ulrike Maria Gossel (Violincello).

Einer von der Musikschule Kulmbach muss noch besonders hervorgehoben werden: Der junge Geiger Michael Schneider. Mit viel Seele und handwerklichem Können machte er den Satz "Allegro aus dem Concerto a-moll op. 3" zu einer großartigen Wiedergabe des schöpferischen Ausdrucks von Vivaldi. Fein ziseliert, nuanciert, strömten die Oktaven durch die Spitalkirche, was Bravorufe auslöste.

Ein Novum die "Barocksuite" von Franz Reinl, die Claudia Anhut und Tanja Schaller am dafür ungewohnten Akkordeon vortrugen. Filigrane Technik schuf echohafte Tonfolgen und Kongruenz. Das Gitarrenensemble unter der Leitung von Gerald Nienaber und das heimische Streicherensemble ergänzten das Konzert in hell leuchtenden Tonfarben und Beschwingtheit.

Aber nicht nur im Altarraum wurde musiziert, oben auf der Empore setzten die Posaunisten Simon Schmidt und Maximilian Friedrich zu strahlkräftigen Höhenflügen an. "Musik verbindet über Ländergrenzen hinweg, sie ist ein Stück gelebte Partnerschaft", drückte es Bürgermeister Ralf Hartnack treffend aus, und das wurde während des Konzerts Realität.