In Weisendorf gab es früher drei Schmieden, wie sich ältere Weisendorfer noch erinnern können. Dorthin ging man, wenn die Landwirte ihre Schare dengeln ließen oder wenn die Pferde neue Hufeisen bekamen. Inzwischen sind viele der Ausstattungen der Werkstätten im Museum des Heimatvereins am Reuther Weg gelandet.

Dort können Besucher am Sonntag von 14 bis 17 Uhr mit Kreisheimatpfleger Manfred Welker der Rolle von Schlossern und Schmieden im Wirtschaftsleben der früheren Zeit sowie deren speziellen Bräuchen nachgehen. Früher gab es mehr Handwerker, die sich mit der Verarbeitung von Schmiedeeisen beschäftigten, viele Berufe davon sind aber ausgestorben. Wer könnte Bezeichnungen wie Zeiner, Windenmacher, Zirkelschmied, Neberschmied, Feilenhauer, Messerschmied, Ahlenschmied, Schleifer, Polierer, Nadler, Sporer, Kettenschmied, Nagler, Ring- und Taschenbeschlagmacher richtig einordnen? Dagegen kennt jeder Schmiede, Schlosser und Flaschner.

Nach drei Jahren Lehrzeit, in denen sie ihr Handwerk erlernten, war es Pflicht, mindestens drei Jahre auf Wanderschaft in fremden Betrieben noch dazu zu lernen. Erst im Anschluss daran konnte die Meisterprüfung abgelegt werden. Sobald ein Schmiedegeselle in eine fremde Stadt kam, begab er sich in das Wirtshaus, in dem sich die Schmiede gewöhnlich trafen, und meldete sich beim Wirt. Dieser wurde auch als Herbergsvater bezeichnet und schickte nach dem Ortenjünger, der den wandernden Gesellen in der Stadt begrüßte. Anschließend ging der Ortenjünger bei den ansässigen Schmiedemeistern reihum und fragte nach, ob ein Geselle gebraucht würde. Wollte der Meister einen Gesellen aufnehmen, so antwortete er "Ich sage ihm auf vierzehn Tage Arbeit zu", wenn nicht, sagte er "Ich danke".

Gutes Augenmaß gefragt

Da die Gesellen immer im Haus des Meisters wohnten und auch zum Essen mit am Tisch saßen, war es wichtig, dass die Meisterin, die den Meister und die Gesellen versorgte, gut kochen konnte.

Das Meisterstück bei den Schmieden bestand darin, ein Pferd mit vier Hufeisen zu beschlagen, ohne das Maß der Hufe abnehmen zu können, das Pferd wurde lediglich einige Male an ihm vorbeigeführt, nach diesem Augenschein mussten dann die Hufeisen angefertigt werden. Außerdem war in einigen Gegenden noch ein Pflugschar anzuschweißen. Die Schlosser mussten, wie ihr Name schon sagt, ein Schloss anfertigen, das mit einem komplizierten Schlüssel versehen war.

Eine Unterscheidung der Schlosser und Schmiede machten diese auch bei ihren Handwerkspatronen. Die Schmiede hatten den heiligen Eligius zu ihrem Patron gewählt, da dieser ein widerspenstiges Pferd auf eine ungewöhnliche Art beschlagen hatte. Die Schlosser hatten sich den Apostel Petrus erwählt, da dieser sehr häufig zwei Schlüssel als Attribut bei sich trägt, mit denen er die Macht erhalten hatte, zu binden und zu lösen. maw