Andreas Dorsch

Die Bürger im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind in Sachen Mülltrennung und Müllvermeidung offensichtlich vorbildlich. Dafür werden sie ab Januar 2018 mit einer weiteren Senkung der Müllgebühren belohnt. Nachdem die Gebühren bereits 2014 um neun Prozent gesenkt werden konnten, sollen jetzt weitere vier Prozent folgen.
In seiner gestrigen Sitzung stimmte der Ausschuss für Umweltfragen und Abfallwirtschaft der überarbeiteten Gebührensatzung zu und empfiehlt dem Kreistag, dieser Entscheidung zu folgen. Dies dürfte nur noch Formsache sein, ist der Kreis doch gesetzlich verpflichtet, nicht mehr Geld von seinen Bürgern zu kassieren, als er für die Müllentsorgung ausgibt.


5,2 Millionen Euro Überschuss

In den Jahren 2014 bis Ende 2017 haben sich laut Berechnungen der Verwaltung knapp 5,2 Millionen Euro Überschuss bei den einkassierten Müllgebühren angesammelt. Diese Rücklagen müssen nun im Kalkulationszeitraum 2018 bis 2021 wieder abgebaut werden. Erreicht werden soll dies durch eine Kombination aus einer Reduzierung der Mindestleerungen und einer Gebührensenkung um vier Prozent.
Für Landratsamt-Sprecherin Hannah Reuter gilt hier das Verursacherprinzip: "Wer weniger Restmüll produziert, soll auch weniger bezahlen." Mit jedem Verzicht auf eine Leerung des Restmülleimers können die Bürger sparen. Pro Jahr wurden ihnen aber bisher mindestens zwölf Leerungen berechnet. Diese Zahl der Mindestleerungen wird jetzt auf zehn reduziert. Daneben sinkt beispielsweise die Jahresgebühr für die 80-Liter-Restmülltonne einer vierköpfigen Familie von 161,28 auf 154,68 Euro.
Mit durchschnittlich nur 96 Kilogramm Restmüll pro Einwohner nahmen die Bürger im Kreis Erlangen-Höchstadt im Jahr 2016 eine Spitzenposition ein. Das bayernweite Pro-Kopf-Aufkommen lag 2015 bei 145 Kilogramm, in Mittelfranken waren es immer noch 140 Kilogramm.
Dieses gute ERH-Ergebnis führt Silke Knörlein, Geschäftsführerin des Zweckverbands Abfallwirtschaft, auf eine bessere Mülltrennung und die Aussortierung der Wertstoffe wie Holz, Papier und Metall zurück. Der Zweckverband, in dem der Kreis und die Stadt Erlangen zusammengeschlossen sind, betreibt unter anderem die Wertstoffhöfe in Medbach und Herzogenaurach. Hier sind im ersten Halbjahr 2017 die Sperrmüllmengen deutlich gestiegen.
Dies führt die Verwaltung darauf zurück, dass private Haushalte im Rahmen eines von der CSU-Fraktion beantragten Probebetriebs seit 1. Januar 2017 Sperrmüll bis zu fünf Kubikmeter pro Lieferung kostenlos und ohne Sperrmüllkarte selbst anliefern können. Auf Vorschlag von Landrat Alexander Tritthart (CSU) einigte sich der Ausschuss, "das probeweise beschlossene Verfahren dauerhaft fortzuführen".
Laut Geschäftsführerin Knörlein kommt die Möglichkeit,Sperrmüll kostenlos abzugeben, bei den Bürgern gut an. "Die Leute können zudem so oft kommen, wie sie wollen", sagt Knörlein. Darüber hinaus gibt es aber weiterhin die Sperrmüllabholung auf Abruf durch die Firma Hofmann. Dafür werden die Sperrmüllkarten beibehalten.
Was fällt alles unter den Begriff Sperrmüll? Silke Knörlein hat dafür eine einfache, aber einprägsame Definition: "Alles, was ich mitnehmen würde, wenn ich umziehe."