Musikalisch sind sie nicht wirklich. Dennoch sind sie alle in "Sing-Sing". Um fünf Mörderinnen im Frauenknast dreht sich das neue Stück der Theatergruppe Rugendorf. Seit Wochen bereiten sich die Aktiven auf ihre Auftritte vor. Premiere ist am 2. April um 19.30 Uhr im Haus der Jugend.
Akribisch rüsten sie sich seit Wochen für den großen Auftritt: Da das Werk im Knast spielt, muss eine entsprechende Kulisse her. Schreiner-Profi Franz Schnaubelt greift da tief in die (Handwerks-)Kiste. Er hat die Zuchthaus-Kulisse gebaut. Kahle, graue Wände und die "schwedischen Gardinen" verleihen dem Stück das passende Ambiente. Mit Ramona Löffler, Daniel Schmidt und Matthias Keller gehört er dem Organisationsteam der Theaterfreunde an. Die setzten nicht nur bei der vorbereitenden Arbeit auf ein Miteinander. Teamwork ist auch in anderer Hinsicht die erste Wahl. Nämlich dann, wenn es um die Regie geht. Sie liegt in den Händen des bewährten Matthias Keller, der sich auf seine Co-Regisseure Jonas Gleich - bekannt aus dem Stadtsteinacher Fasching - und Franz Schnaubelt stützen kann.
Dominiert von der aggressiven Margot, beschäftigen sich die Mörderinnen in der JVA mit der ihnen aufgetragenen Arbeit. Die müssen sie im Aufenthaltsraum erledigen, da in der Zelle angeblich ein Wasserschaden behoben werden muss. Nach Andeutungen einer Traktgenossin kommen die Frauen einem Geheimnis auf die Spur: Sie finden heraus, dass in ihren Zellen etwas völlig anderes passiert...
Was das genau ist, müssen die Knast-Besucher selbst herausfinden. Eines kann schon jetzt verraten werden: Es wird höchst interessant und lustig - eine Mordsgaudi hinter Gittern.
Geschrieben hat das Stück "Hey, Abschaum - Mordsfrauen im Knast" Corina Rues-Benz. Sie hat damit eine Tramödie geschaffen: Die Verschmelzung einer Tragödie mit einer Komödie. Dass die Akteure Spaß daran haben, war schon bei den Proben deutlich zu spüren. Die fünf Frauen schlüpften behände in die Rollen. Silke Mertel verkörpert die einfältig-dümmliche Erika. "Fernande" (Sanda Lamnek) ist eine Pfarrhaushälterin, die Bibel und Kruzifix nicht aus der Hand legt. Weniger gottgefällig aber war die Tat, die sie in die Anstalt gebracht hat. Der dominanteste Part fällt Annerose Hohner zu. Sie ist "Margot", die als Metzgerin die Messer nicht immer in juristisch einwandfreier Weise eingesetzt hat. "Paula" (Anja Rosenberger) ist das Hausmütterchen der Galgenvögel, das krasse Gegenteil davon ist "Uschi" (Sandra Walter)m die mit schlüpfrigen Wortbeiträgen nicht verleugnen knan, dass sie "draußen" bei einer Sex-Hotline gearbeitet hat.
Als Justizminister fungiert Franz Schnaubelt, der als Stimme aus dem Off das Geschehen bereichert. Mit dem neuen Stück bleibt die Theatergruppe ihrer Philosophie treu. Die da heißt: Stücke am besten nicht von der Stange zu spielen, Aufführungen abseits vom inflationär angebotenen Bauerntheater zu geben. Diesem Selbstverständnis genügt das neue Stück. Die fünf "Mordsfrauen im Knast" bürgen für gute Unterhaltung. Oder anders gesagt: Freiheitsentzug ist keinesfalls automatisch Spaßentzug...


Noch zwei Aufführungen

Eine Woche nach der Premiere folgt die zweite Aufführung, die dritte, bereits um 18.30 Uhr, findet am Sonntag, 10. April, statt. Karten gibt es bei der Geschäftsstelle der Kulmbacher Bank oder bei Ramona Löffler, Telefon 0170/5528932. red