Auf großen Zuspruch stieß der politische Dämmerschoppen, zu dem die CSU-Ortsgruppe Weingarts/Kunreuth in die Taverne "Bei Jeorgo" eingeladen hatte. Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier sprach dabei zum Thema "Wie viel Europa ist möglich? Wie viel Europa ist nötig".

Für Vorsitzenden Edwin Rank gibt es viele Gründe, Ende Mai zur Europawahl zu gehen. Nur gemeinsam könnten die großen Probleme wie Migration, Nahrungsknappheit, wirtschaftliche Ungleichheit und politische Verfolgung gelöst werden. Europa müsse gegenüber den Großmächten USA, China oder Russland mit einer Stimme sprechen. Mit Manfred Weber habe ein Deutscher die Chance, die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident anzutreten.

Monika Hohlmeier kam zunächst auf den Brexit zu sprechen. "Hier wurde viel gelogen, ich dachte nicht, dass viele so dumm sein können. Wir brauchen nicht wieder Bürgerkrieg in Nordirland, weiche Grenzen schaffen Entspannung", sagte sie und betonte die Bedeutung des Freihandels.

Für kontrollierte Zuwanderung

Durch zusätzliche Abkommen mit Japan, Indonesien oder Kanada könnte sich Europa breiter aufstellen. Hohlmeier plädierte für eine kontrollierte Zuwanderung, nicht nur aus Krisenländern. In diesem Zusammenhang lobte sie die Arbeit von Entwicklungsminister Gerd Müller in Afrika. Im gleichen Atemzug verurteile sie die Menschenhändler.

In Deutschland sah sie viele Fragen bei konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Die Dieseldiskussion bezeichnete sie als absurd, die Handhabung der Feinstaubmessstellen in Europa sei fragwürdig.

Hart kritisierte sie die Deutsche Umwelthilfe, die maßgeblich von Toyota mitfinanziert werde. Leidenschaftlich warb sie immer wieder für den europäischen Geist. Sie warnte eindringlich vor Extremisten.

In der lebhaften Diskussion sagte Hohlmeier, dass Frankreich und Italien bei der Rückführung von Flüchtlingen dreimal so erfolgreich seien wie Deutschland. Wer keine Flüchtlinge aufnehme, könnte mit dem Streichen von Finanzmitteln bestraft werden. Die Aussage Hohlmeiers, dass Weber die Beitragsverhandlungen mit der Türkei beenden will, lösten viel Beifall unter den Zuhörern aus. Ein Beitritt würde Europa völlig überfordern, fügte sie hinzu.

Alles in allem verstand es Hohlmeier, komplexe Themen verständlich darzulegen. Im Beisein von Landrat Hermann Ulm und Edwin Rank überreichte Michaela Engelhardt als kleines Dankeschön eine Flasche Charlemagner.

Kate und Nick, ein englisches Ehepaar, lauschten aufmerksam den Ausführungen. Beide wohnen seit vielen Jahren in Deutschland, die zurückliegenden zwei Jahre in Weingarts. Sie kommen passabel mit der deutschen Sprache zurecht. "Der Brexit ist eine einzige Katastrophe, keiner kann begreifen, dass es wieder feste Grenzen geben soll. Wir haben einen deutschen Reisepass beantragt", sagten sie am Ende im kleinen Kreis und wirken ratlos und betroffen.