Taxidrohnen und autonom fahrende Busse könnten künftig das Mobilitätsangebot der Marktgemeinde Heiligenstadt ergänzen. Das und weitere Vorschläge sind das Ergebnis einer Mobilitätsstudie, die im letzten halben Jahr vom Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung der Technischen Universität Kaiserslautern in Abstimmung mit der Marktgemeinde durchgeführt wurde.

Student Christian Rausch und Professorin Gabi Troeger-Weiß, Inhaberin des genannten Lehrstuhles, stellten das Mobilitätskonzept der Öffentlichkeit vor. Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) möchte, dass auch die älteren Bürger am Gemeindeleben teilhaben können. "Da muss die Gemeinde etwas anbieten." Er berichtete, dass in Heiligenstadt bereits Ende der 1990er Jahre eine Umfrage zur Mobilität durchgeführt worden war. Damals wurden Bürgerbus, Sonderfahrten und zusätzliche Buslinien gefordert. Doch das Angebot wurde nicht genutzt. "Es wird viel über Klimaveränderung gesprochen", sagte Krämer, der mehr in den Öffentlichen Nahverkehr investieren will.

Gabi Troeger-Weiß ist ebenfalls der Ansicht, dass Mobilität im ländlichen Raum wichtig ist. Hier sei das Auto nach wie vor dominierend. Die Studie und Masterarbeit von Christian Rausch soll der Ministerin für Digitalisierung vorgelegt werden. In Heiligenstadt soll ein Pilotprojekt starten.

Der Student hatte sich mit Hilfe von Statistiken über die Gemeinde, Expertengespräche vor Ort und eine Umfrage ein Bild über die Marktgemeinde gemacht. Das Ergebnis: Das Gros von Einrichtungen der Daseinsvorsorge konzentriert sich auf den Kern der Gemeinde. Es gibt einen starken Sommertourismus, aber auch der Wintertourismus wächst.

An der Befragung haben 272 Haushalte teilgenommen. Es zeigte sich: Auf Unterstützung durch Familie und Freunde setzen nur einige. Andere halten eine Mitfahrt im Schulbus, autonom fahrende Fahrzeuge oder ein erweitertes Bürgerbusangebot nur für bedingt wahrscheinlich. Sharing-Programme lehnten die Befragten ab. "Für die Menschen hier ist das Auto ein Statussymbol. Das wollen sie nicht teilen", so Krämer.

Rausch schlug vor, eine Bürgerbus-Linie bis Bamberg einzurichten und die Busse auch samstags fahren zu lassen. Ein weiterer Aspekt könnten Fahrzeuge auf Abruf für jedermann sein. Elektromobile, die die Fahrradwege nutzen könnten, wären im Ortskern einsetzbar und würden ergänzt durch Busse. Auch ein Verleih von Elektro-Fahrrädern ist angedacht.

"Langfristig und auf Grund der fünften Mobilfunkgeneration könnten autonom fahrende Busse und Taxidrohnen eingesetzt werden. Es muss aber erst Vertrauen in diese Technik entstehen", fasste Rausch zusammen. Marktgemeinderat Peter Landendörfer fordert von der Politik Chancengleichheit für Stadt und Land: "Das ist ein Verfassungsgrundsatz, der sträflich vernachlässigt wird." Er freute sich, dass Christian Rausch mit seinem Konzept über den Tellerrand hinaus geschaut habe. "Mobilität muss umsetzbar und realistisch sein, zukunftsorientiert und bezahlbar", sagte Landendörfer. Helmut Krämer ergänzte: "Wir haben eine Riesenchance, aus der Studie etwas zu machen."