Wolfhart Grote ist beruflich viel unterwegs mit Auto und Bahn. Der Mathematiker betreibt seine Firma Infolab als virtuelle Firma. Deswegen ist er auch unterwegs auf eine stabile Verbindung ins Internet angewiesen. "Ich habe jeden Tag damit Ärger", sagt er zu dem Problem mit abreißenden Gesprächen und zusammenbrechenden Verbindungen, während er Daten abruft. "Bei einem wichtigen Geschäfts- oder Personalgespräch ist es doch eine Katastrophe, wenn die Verbindung mehrmals unterbrochen wird."
Eine "Störungsstelle" hat er unweit seiner Haustür ausgemacht: die Brücke über den Kanal von Dechsendorf nach Erlangen. Sie hat er sich genau angeschaut, genauer: die Empfangsleistungen und den Abfall gegen Null vermessen. Der liegt an den beiden Auffahrten. "In der Brückenmitte loggen sich Handys wahrscheinlich beim Sender auf dem Langen Johann ein", vermutet Grote nach den gemessenen Daten.
Die zweite "Störung" liegt nicht weit entfernt. Zu Unterbrechungen kommt es nach Grotes Erfahrungen auch auf der A 3 zwischen der Raststätte und der Ausfahrt Frauenaurach. Das nächste Funkloch lag - seines Wissens bis vor Kurzem - auf der A73 zwischen Eltersdorf und Ronhof. Es soll durch den Bau des Möbelhauses Höffner beseitigt worden sein. "Dort habe ich schon länger nicht mehr telefoniert", entschuldigt Grote sich. Die übelste Erfahrung allerdings hat Grote erst kürzlich auf der A 81 zwischen Würzburg und Heilbronn machen müssen. Er hat es gezählt: Genau zehnmal wurde sein Telefonat unterbrochen.
Im Freizeitbereich - "auch da muss ich erreichbar sein" - hat er auch allerhand negative Erfahrungen machen müssen. So gerät er auf den Wanderwegen um Kirchehrenbach immer wieder in Löcher. Schlecht sei auch der Netzzugang in Oberehrenbach. Deshalb hat Grote seinen dortigen Wohnsitz aufgegeben. Er sollte für ihn ein echter Heimarbeitsplatz werden.
"Da haben wir auch bei Mitarbeitern immer wieder massive Probleme", klagt er. "Vor allem nicht funktionierende Funklösungen, wo es drahtgebunden nicht geht." Es könne doch nicht als bestehende Verbindung gelten, wenn jemand nur telefonieren könne, wenn er sich im obersten Stock aus dem Fenster lehne.
"Ein Hochtechnologieland wie Deutschland kann sich doch keine Lücken auf den Hauptrouten leisten", sagt Grote mit Verwunderung. "Der Zug in die Ballungsräume wird doch nur verstärkt, wenn der dünn besiedelte Raum keine Technik erhält." In letzter Zeit - ganz bewusst verfolgt er auch die FT-Serie Funklochjäger - hat er sehr darauf geachtet: 50 Prozent seiner Verbindungen wurden gestört oder unterbrochen. Er fühlt sich dadurch beruflich ausgebremst.
Und Grote hat sich umgehört. Angeblich gibt es keine Pläne, das bisherige Netz weiter auszubauen. Er vermutet, es soll in die neue Netztechnik LTE (Long Term Evolution) investiert werden, durch die bei gleicher Stationenanzahl größere Reichweiten erzielt werden sollen. Soweit es die Geländestruktur zulässt. Grote hat die Hoffnung, dass die ersten LTE-Stationen auf dem flachen Land gebaut werden. Seine Forderung lautet: "Die Informationsversorgung muss so selbstverständlich werden wie die mit Strom und Telefon."
Eine Teilschuld an der Konzentrierung auf Ballungsräume hat nach Grotes Meinung auch der Gesetzgeber. Mit der Aufgabe des Staatsmonopols sanken zwar die Preise, aber die festgeschriebenen Versorgungspflichten der Anbieter sind nicht ausreichend. Sie müssen nur 95 Prozent der Personen Zugang gewähren. So bleiben größere Flächen, die wenig besiedelt sind, außen vor, sagt er. "Aber auch dort gibt es Straßen, die viel befahren sind, und damit Verkehrsteilnehmer, die Internet- oder Handy-Verbindungen nutzen wollen."

Technik ist erprobt
Von der technischen Seite her gibt es nach Grote keine Schwierigkeiten. Die nötige Technik ist erprobt, selbst unter schwierigsten Bedingungen. Es ist nämlich dieselbe Technik, die im Kanaltunnel zwischen England und Frankreich die Züge steuert.
Und an eine weitere Einsatzmöglichkeit der Mobilfunkverbindung denkt Grote: Tierhaltung auf abgelegenen Weiden. So wie Hunde einen Sender bekommen können, der über eine Telefonnummer ihren Standort angibt, so könnten das Landwirte auch auf Almen mit ihren Kühen machen. Oder Pferdehalter. Oder bei Tieren, die ausgewildert werden sollen, spinnt Grote den Faden fort.
Mit der Google-Lösung über Ballons ähnlich denen zur Wetterbeobachtung kann sich Grote nicht anfreunden. Die Internetsuchmaschine hat diese technische Möglichkeit im afrikanischen Raum getestet. Ihr Ziel soll eine satellitengestützte erdumspannende Verbindung sein. In Grotes Tonfall schwingt der Gedanke an eine umfassende Beobachtung und Überwachung mit.