Gerhard Deutschmann

Ein gut aufgelegter Dirigent begrüßte das Publikum zum 1. Sinfoniekonzert des Landestheaters und stellte das Programm des Abends vor, welches befreiende, lebensbejahende Werke der deutschen Romantiker Robert Schumann und Johannes Brahms enthielt, die auch im Leben eng miteinander verbunden waren.
Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig konnte sich an diesem Abend wie immer auf ein vorzüglich aufmerksam mitgehendes Orchester verlassen, in dem eine Reihe neuer Gesichter zu erblicken war.
Man hörte eindrucksvolle, mitreißende Interpretationen mehr oder weniger bekannter Werke jener Meister. Den Anfang machte das nicht so häufig gespielte Opus 52 von Robert Schumann: Ouvertüre, Scherzo und Finale für Orchester.
Das viertelstündige Werk enthält die nach wenigen Einleitungstakten musikantisch fortgeführte Ouvertüre, das auf ostinaten punktierten Rhythmen aufgebaute Scherzo und das in einer festlichen Steigerung endende frische, optimistische Finale. An der lebendigen, dynamisch ausgefeilten Wiedergabe durch das bestens aufgelegte Orchester mit seinem sorgsam gestaltenden Dirigenten Roland Kluttig gab es nichts auszusetzen.


Doppelkonzert von Brahms

Es folgte ein ebenfalls nicht allzu häufig zu hörendes Werk in Gestalt des Konzerts für Violine und Violoncello a-Moll op. 102 von Johannes Brahms. Der Komponist huldigt hier einer Gattung, die in der Romantik eigentlich nicht mehr üblich war und ihre Blütezeit im Barock und (weniger häufig) in der Klassik hatte. Aber es ist ein "echter" Brahms, voller Leidenschaft und Erfindungskraft, mit einprägsamen Themen und dramatischen Entwicklungen. Die Soloinstrumente haben höchst anspruchsvolle, aber dankbare und wirkungsvolle Aufgaben zu bewältigen, dürfen aber neben hoher Virtuosität auch ausdrucksvolles Melos verströmen.
Mit Florian Donderer (Violine) und Tanja Tetzlaff (Violoncello) hatte man ein famoses, bestens aufeinander eingespieltes Duo gewinnen können, dem eine begeisternde Wiedergabe dieses einzigartigen Musikstücks gelang. Was soll man mehr bewundern, die technische Souveränität, den mal gefühlvollen, mal energischen Ton und Strich oder die große dynamische Palette und das präzise Zusammenspiel?
Hiervon anstecken ließ sich auch das klangvoll und wendig agierende Orchester, das Roland Kluttig zu grandiosen Leistungen anzuspornen verstand. Minutenlang anhaltender Beifall würdigte diese gelungene Wiedergabe gebührend. Er verstärkte sich noch, als die Solisten ihre spektakuläre Zugabe in Form des mir haarsträubenden Schwierigkeiten versehenen letzten Satzes aus dem Duo von Zoltán Kodály darboten.
Temperamentvoll und mitreißend ging es auch nach der Pause weiter, wo die 3. Sinfonie Es-Dur op.97 ("Rheinische") von Robert Schumann auf dem Programm stand.
Feinsinnig und minutiös von Roland Kluttig bis ins Kleinste gestaltet und vom Orchester in jeder Beziehung nachvollzogen, gab es mit diesem festlichen Werk einen triumphalen Abschluss und begeisterten Beifall der Zuhörer.