Drei Jahre Freiheitsstrafe lautete das Urteil am Landgericht Bamberg gegen einen 36-jährigen Rumänen, der zwischen 2012 und 2015 bundesweit beinahe 10 000 Euro erschwindelt hatte. Durch sein Geständnis kürzte der Angeklagte, der von den telefonischen Betrügereien gelebt hatte, den Prozess erheblich ab.
Das Telefon klingelt. Als der Pfarrer abhebt, hört er lautes Schluchzen. Am anderen Ende der Leitung erzählt ihm eine "Maria" unter Tränen etwas von einem Autounfall im Ausland, bei dem ihr Mann und eines der Kinder zu Tode gekommen seien. Sie habe beide nun einäschern lassen. Dafür sei das gesamte Geld draufgegangen. Nun brauche sie unbedingt einige hundert Euro für den Rückflug und die Überführung der Urnen.
Weil der ältere Herr den Angaben glaubt, bei "Maria" handele es sich um ein Mitglied seiner Kirchengemeinde, transferiert er die Summe per Western Union ins Ausland. Er bekomme das Geld umgehend zurück, sobald sie wieder zu Hause sei, so die Versicherung.
Die technischen Anweisungen, wie man die Summe transferiert, erklärt dann ein Mann. Er gibt vor, Hotelier oder Pfarrer zu sein und der "Maria" in ihrer schweren Stunde beizustehen. Zu einer Rückzahlung kommt es nicht - und wird es angesichts der wirtschaftlichen Not des Angeklagten wohl auch nie kommen.
Dieser Mitleids-Masche gingen rund zwei Dutzend Geistliche oder deren Pfarrsekretärinnen im gesamten Bundesgebiet auf den Leim. Von Bayern über Hessen und Niedersachsen bis Schleswig-Holstein. Insgesamt entstand ein Sachschaden von rund 14 000 Euro, der teilweise das private Vermögen der Pfarrer, teilweise den Pfarretat belastete.
Auch im Landkreis Bamberg erwischte es einen gutgläubigen Geistlichen. Der zeigte sich enttäuscht, dass man die Gutmütigkeit der Menschen ausnutze, bis irgendwann einmal keiner dem anderen mehr helfe, weil man zu misstrauisch geworden sei. Ein anderer Zeuge aus Weiden in der Oberpfalz, inzwischen im Ruhestand, erzählte, wie überzeugend der Anruf gewesen sei. "Sie hat mein Herz erweicht."
Zugleich wurde deutlich, dass die Täter ziemlich unverfroren vorgingen. Sobald sie einmal Erfolg hatten, stießen sie sogleich nach und erbaten weitere Zahlungen, weil angeblich nun auch das zweite Kind, "ein kleiner Junge", seinen Verletzungen erlegen sei. Andere Opfer waren indes vorsichtiger und fielen nicht darauf herein.
Diese sechs Anklagepunkte des versuchten Betruges wurden im Laufe des Prozesses jedoch eingestellt. Vor dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt gestand der Angeklagte immerhin 15 Fälle mit einem Umfang von etwa 9700 Euro ein.
Die 2. Strafkammer glaubte dem 36-jährigen Rumänen, der sich selbst als "Zigeuner" bezeichnete, seine Geschichte von der unbekannten Frau nicht. Die habe ihn auf der Straße beim Betteln an- und ihm 100 Euro versprochen, wenn er bei der Betrugsmasche mitmachte. Auch seine Beteuerung, wenn er gewusst hätte, dass es sich um Pfarrer handelte, hätte er als "gläubiger Christ" nicht mitgemacht, glaubte wohl nur der Angeklagte selbst. Und vielleicht sein Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Wessel (Haßfurt).


Ein weiteres "Standbein"

Vielmehr erhärtete sich der Verdacht des Oberstaatsanwaltes Matthias Bachmann, dass der Angeklagte und seine Lebensgefährtin hinter dem Betrug steckten. Sie hätten als Bande noch weitere Helfer rekrutiert, um unter verschiedenen Namen in Italien, Spanien und Rumänien an das per Post angewiesene Bargeld zu kommen.
Dass der 36-jährige Rumäne neben dem Betteln und der Arbeit als Erntehelfer in ganz Europa noch ein weiteres "Standbein" hat, zeigte sich, als es um seine Vorstrafen ging. So hatte ihn das Amtsgericht Miesbach für genau dieselbe Art des Betruges im Frühjahr 2013 bereits zu einer Geldstrafe über 110 Tagessätze verurteilt. Diese fast vier Monate hat der Angeklagte, der sich der Strafe durch Flucht in sein Heimatland entzogen hatte und dank eines europäischen Haftbefehls ausgeliefert worden war, nun in der JVA Bamberg abgesessen.