Hat eine 23-jährige Frau aus einer Ortschaft im nördlichen Landkreis bei einem Prozess vor einiger Zeit vor dem Amtsgericht in Haßfurt bewusst eine uneidliche Falschaussage gemacht oder nicht? Das war die Frage, der sie sich nun zu stellen hatte. Gegen einen gegen sie ergangenen Strafbefehl hatte sie Einspruch eingelegt, so dass es zur Hauptverhandlung vor dem Jugendgericht kam.
Die Staatsanwältin warf der Angeklagten vor, im September 2016 als Zeugin bewusst wahrheitswidrige Angaben gemacht zu haben, die sie in der Anklageschrift in drei Punkten präzisierte. Das erfülle den strafrechtlichen Tatbestand der uneidlichen Falschaussage.
Der Verteidiger der Angeklagten, der Rechtsanwalt Willy Marquardt, erklärte für seine Mandantin, dass sie die Situation bedauere und dass es sie sehr belaste, nun vor Gericht zu stehen.
Bei ihrer Vernehmung vor Gericht, wo sie vor einiger Zeit die falsche Aussage gemacht haben soll, sei es ihr schlecht gewesen. Allerdings seien die damals nach ihrer Erinnerung gemachten Angaben noch heute zutreffend. Eine gewisse Rolle habe der damalige Angeklagte gespielt, der zunächst ebenso wie seine Mandantin aussagte, dann später aber "umgeschwenkt" sei, sagte der Verteidiger. Er regte ein Rechtsgespräch mit dem Ziel an, das Verfahren gegen seine Mandantin gegen eine Geldbuße einzustellen. Zu einem solchen Gespräch kam es dann nicht wie üblich hinter verschlossen Türen.
Richter Martin Kober machte deutlich, dass es wegen des kurzfristigen Fehlens einer Zeugin zu keinem Urteilsspruch kommen könne. Der Richter zeigte sich geneigt, über eine Einstellung zu sprechen. Dem stimmte auch die Staatsanwältin zu. "Jedoch keinesfalls unter 500 Euro Geldbuße", sagte sie. Nach einem Blick auf ihre Mutter, die im Gerichtssaal saß, stimmten die Angeklagte und ihr Verteidiger zu. So endete das Verfahren. Der Richter stellte es vorläufig ein mit der Auflage, dass die Angeklagte 500 Euro an den Kreisjugendring Haßberge zahlt. hw