Was macht denn der da vorne an der Kasse mit dem Handy am EC-Lesegerät? Ganz einfach: Er bezahlt. Das könnte künftig häufiger zu sehen sein, denn nicht nur Google, sondern auch die Sparkassen bringen mobile Bezahlsysteme auf den Markt.
Mobile Bezahlsysteme. Das heißt, mit dem Smartphone die Einkäufe bezahlen. Dazu lädt man sich zuerst eine App herunter - beispielsweise Google Pay. Kreditkarten oder EC-Karten in dieser App speichern: Schon kann das bargeldlose Bezahlen starten. Und das ist auch im Landkreis Lichtenfels möglich.


Landkreis zu ländlich?

Das NFC-System zeigt an, ob das mobile Bezahlen möglich ist. An den Kartenlesern oder der Eingangstüre ist ein Zeichen angebracht. Es sieht aus wie das W-Lan Zeichen - nur nach rechts gekippt.
Im Landkreis Lichtenfels selbst wird das mobile Bezahlen sehr verhalten angenommen. "Dafür sind wir noch zu ländlich", sagt ein Mitarbeiter des Rewe-Marktes in Bad Staffelstein. Kontaktloses Bezahlen ist hier mit der EC-Karte möglich - auch mit dem Handy kann über verschiedene Apps wie zum Beispiel Payback Pay bezahlt werden. "In der Woche sind es vielleicht fünf Kunden, die das nutzen", fügt der Mitarbeiter an. Auch im E-Center in Bad Staffelstein und Lichtenfels können Kunden über die Edeka-App kontaktlos bezahlen. Aber: "Es wird selten angenommen", erklärt eine Mitarbeiterin.


Mobiles Zahlen ist im Kommen

Jana Lindner-Okrusch, Pressesprecherin der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, ist sich sicher, dass das mobile Bezahlen in Deutschland künftig gut angenommen wird. "Rund 85 Prozent der Verbraucher schätzen laut einer Gfk-Studie die Schnelligkeit und Einfachheit von girocard-Zahlungen. Diese können sie nun auch über die App mit ihrem Smartphone ausführen."
Google Pay ist seit Ende Juni in Deutschland verfügbar. Allerdings nur für Handys mit einem Android-Betriebssystem - das sind quasi alle Handys außer iPhones. In Deutschland gibt es jedoch einen großen Nachteil: Es sind kaum deutsche Banken beteiligt - lediglich die Banken Commerzbank, comdirect, N26 oder Wirecard. Dieses mobilie Zahlungssystem ist nur nutzbar, wenn man eine Kreditkarte bei einer dieser Banken hat. Andere Banken bringen ihre eigene App heraus, wie beispielsweise die Sparkasse.
Ab Ende Juli können Sparkassen-Kunden die App "Mobiles Bezahlen" herunterladen und nutzen. Hierzu benötigt man zusätzlich einen Online-Banking-Account der Sparkasse und ein Android-Gerät. "Es ist praktisch, modern und eine innovative Bezahlweise", sagt Jana Lindner-Okrusch. Außerdem erleichtere es den Alltag, da Smartphones ein täglicher Begleiter seien.
"Durch die Möglichkeit zum mobilen Bezahlen wird das Smartphone zur digitalen Börse und zum ständig verfügbaren Zahlungsmittel im Alltag." Und das funktioniert so: Der Kunde muss den Bildschirm auf dem Smartphone für die Bezahlung einschalten, dann an das PoS-Terminal (Point of Sale) halten und ein kurzes Bestätigungssignal abwarten. Auf dem Display des Smartphones wird die Zahlung bestätigt. Transaktionen bis 25 Euro verlangen in der Regel keine Pin-Eingabe. Alles, was drüber liegt, muss der Kunde mit seinem Pin bestätigen - also wie gewohnt die geheimen vier Zahlen der EC-Karte im Gerät eingeben. Das mobile Bezahlen sei sogar sicherer als der Geldbeutel. Verliert man diesen, ist das Geld weg. Verliert man sein Handy, greifen mehrere Sicherheitsmechanismen: Handysperre und Passwörter. "Zusätzlich können Kunden in der App individuelle Sicherheits-Einstellungen für ihre Smartphone-Zahlungen festlegen", so Jana Lindner-Okrusch.