Als ein echter Publikumsrenner erwies sich die Lichtmessführung mit dem Herzogenauracher Nachtwächter, die der Heimatverein am Freitagabend angeboten hat. Das Interesse war dermaßen groß, dass der Heimatvereinsvorsitzende Klaus-Peter Gäbelein Verstärkung anfordern musste, damit die rund 80 Interessenten schließlich in zwei Gruppen zu abendlicher Stunde durch Herzogenaurachs Innenstadt geführt werden konnten. Dritter Vorsitzender Herbert Dummer sprang hilfreich ein, so dass alle Interessenten zufrieden den Heimweg antreten konnten.

Nach ihrer Motivation gefragt, "weshalb sie sich das antun" und zu nächtlicher Stunde durch die Herzogenauracher Altstadt ziehen, hinter einem "spinnerden Führer", der in einen schwarzen Mantel gehüllt, mit einem schwarzen Barett am Kopf, einer hölzernen Laterne in der Hand und mit einer Hellebarde bewaffnet nostalgische Geschichten von sich gibt, antworteten die meisten Teilnehmer, dass eine solche nächtliche Aktion eben einmal etwas anderes sei, als die Innenstadt tagsüber zu erleben.

Und dann interessierte die Besucher auch noch, was ein solcher Nachtwächter zum Besten geben kann. Und keiner ging enttäuscht nach Hause. "Die Stadt beeindruckt in der Dunkelheit ganz anders als tagsüber" oder "man sieht die Schönheiten unserer Altstadt, die verborgenen, romantischen Winkel mit anderen Augen" und "man erfährt immer wieder etwas Neues", so der Tenor. Und so bemühten sich Dummer und Gäbelein, den abendlichen Rundgang mit Geschichten aus dem Leben eines Nachtwächters, von seinen verantwortungsvollen nächtlichen Rundgängen und mit Episoden aus dem Alltag eines Nachtwächters zu füllen.

Das begann bereits bei der Ausrüstung: Die lange Hellebarde faszinierte. Und man erfuhr, dass diese Waffe nicht nur gegen Feinde oder unliebsame Eindringlinge als Stoß- und Hiebwaffe eingesetzt werden konnte. Das ursprünglich althochdeutsche Wort (Helle=Halm oder Stock und Barde=Beil) war auch im Ernstfall, sprich bei Bränden, wichtig: Man konnte mit dem beilartigen Teil Türen oder Fenster einschlagen, um Bewohner zu retten und mit dem Haken am Hieb- und Stoßinstrument konnte brennende Bretter und Balken herabgezogen werden.

Sicher wäre mancher der Teilnehmer gerne auch bei einer Führung dabei gewesen, wenn der Nachtwächter die Sperrstunde verkünden musste. In der Regel war eine solche um 22 Uhr angesagt, nachdem der Wirt den Zapfenstreich (mit einem Kreidestrich über den Zapfhahn) angekündigt hatte. Nur allzu leicht ließen sich hin und wieder Nachtwächter dazu überreden, mit fröhlichen Zechern noch ein Gläschen oder ein Krüglein zu kippen.

Wichtig war jedoch auch, dass der Nachtwächter darauf achtete, dass "Feuer und Licht" zur Sperrstunde gelöscht sein mussten: "Löscht das Feuer und das Licht, dass unsrer Stadt kein Leid(s) geschicht (geschieht)", so lautete der abendliche Gruß und Spruch. Und in den (in der Regel) hölzernen Häusern wurde das Herdfeuer gelöscht und ebenso das spärliche Licht an den Wänden.

Gegen unvernünftige abendliche Zecher waren deftige Strafen angeordnet; so kannte man andernorts die "Trinkertonne" in die man unvernünftige Trinker am Pranger vor dem Rathaus steckte und zur Schau stellte.

Im späten 19. Jahrhundert schlug dann vielerorts das letzte Stündlein für die meisten Nachtwächter. Gaslaternen erleuchteten die Straßen, und so wie in Herzogenaurach im "Brennhäusla" (an der Kreuzung Hans-Maier-Straße/Burgstaller Weg) produzierten viele Städte ihr Gas zur Beleuchtung. red